
Horch, ein Audi
Audi - die Premium-Marke feiert ihren 100. Geburtstag
In diesem Jahr wird die von August Horch am 16. Juli 1909
gegründete Marke Audi 100 Jahre alt. Zum Gründungstag lud das
Unternehmen zu einem feierlichen Festakt nach Ingolstadt, bei der
auch Bundeskanzlerin Angela Merkel anwesend war. Die Tradition der
Audi AG reicht im Automobil- und Motorenbau bis in das 19.
Jahrhundert zurück. Am Anfang der Geschichte stand August Horch,
einer der deutschen Pionieringenieure des Automobilbaus. Das
Audi-Marken-zeichen der Vier Ringe symbolisiert die Marken Audi,
DKW, Horch und Wanderer, die 1932 in der Auto Union
zusammengefasst wurden. Im Jahr 2008 verkaufte die Audi AG mehr
als eine Million Fahrzeuge und erreichte damit das dreizehnte
Rekordjahr in Folge.
TEXT THOMAS KLOCKE
|
FOTOS AUDI AG
Als Absolvent des Technikums im sächsischen Mittweida war August
Horch zunächst im Motorenbau, später als Abteilungsleiter im
Motorwagenbau bei Carl Benz in Mannheim tätig. 1899 machte er sich
selbständig und gründete in Köln die Horch & Cie. Motorwagen
Werke. 1904 wurde die Firma in Zwickau in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt. Nach Differenzen mit dem Vorstand und dem
Aufsichtsrat verließ August Horch 1909 das Unternehmen und
gründete in Zwickau eine zweite Automobilfirma. Da sein Name
bereits vergeben war, wählte er als neuen Firmennamen die
lateinische Übersetzung seines Names: aus „horch!“ wurde „audi!“
In der Folgezeit unterzeichnete August Horch seine Korrespondenz
auch gerne mit „Ihr Audi-Horch“. 1914 erfolgte die Umwandlung der
Audi Automobilwerke GmbH in eine Aktiengesellschaft. Von Anfang an
prägten sportliche Erfolge die Marke Audi. Durch die Siege bei den
österreichischen Alpenfahrten von 1911 bis 1914 gelang es August
Horch, den Namen Audi innerhalb weniger Jahre bekannt zu machen.
Erster Linkslenker Deutschlands
1921 überraschte Audi die Fachwelt mit dem neuen Audi 14/50 PS Typ
K, dem ersten linksgesteuerten Auto in Deutschland. Damit
konzentrierte man sich bei Audi nicht mehr nur auf die Motoren-
und Fahrwerkstechnik, sondern schenkte auch den Bereichen
Fahrsicherheit und Bedienungsfreundlichkeit immer mehr Beachtung.
1923 folgte der Typ M mit einem Sechszylindermotor, 1927 wurde der
erste Audi-Achtzylinderwagen vorgestellt. 1928 übernahm die
Zschopauer Motorenwerke/J. S. Rasmussen AG die Aktienmehrheit der
Audiwerke AG. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Oktober
1929 erfolgte ein massiver Einbruch der Verkaufszahlen von großen
Wagen mit Sechs- und Achtzylindermotoren. Daraufhin wurde ein
kleiner DKW mit Frontantrieb entwickelt, der 1931 mit großem
Erfolg auf den Markt kam.
Vier Ringe – der Zusammenschluss
Auf Betreiben der Sächsischen Staatsbank, die ihr Engagement
gefährdet sah, schlossen sich am 29. Juni 1932 die Audiwerke, die
Horchwerke und die Zschopauer Motorenwerke/J. S. Rasmussen AG zur
Auto Unio AG zusammen. Gleichzeitig wurde mit den Wanderer Werken
ein Kauf- und Pachtvertrag zur Übernahme der Wanderer
Automobilabteilung abgeschlossen. Sitz des neuen Konzerns wurde
Chemnitz. Symbol dieses Zusammenschlusses waren die Vier Ringe –
bis heute verkörpern sie das Audi-Markenzeichen. Die Auto Union AG
war mit ihrer Gründung der zweitgrößte Kraftfahrzeugkonzern in
Deutschland. Die Marken-bezeichnungen Audi, DKW, Horch und
Wanderer wurden beibehalten. Jede der vier Marken erhielt
innerhalb des Konzerns ein spezielles Marktsegment: DKW –
Motorräder und Kleinwagen; Wanderer – Automobile der Mittelklasse;
Audi – Automobile im gehobenen Mittelklassesegment; Horch –
Premiumautomobile der Luxusklasse. Zur Steigerung des
Bekanntheitsgrades stieg das junge Unternehmen 1934 in die
Königsklasse des Automobilrennsports, den Grand-Prix-Rennsport,
ein. In den folgenden Jahren brillierte die Auto Union mit ihren
„Silberpfeilen“ durch zahllose Siege, Meisterschaften und
Weltrekorde auf den internationalen Rennstrecken.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion von
Zivilfahrzeugen fast vollständig zurückgefahren und der Konzern
auf Rüstungsproduktion umgestellt. Im April 1940 lief das letzte
Audi-Automobil vom Band – für ein Vierteljahrhundert das letzte.

Eine Erlebniswelt für sich – das Audi Forum in Ingolstadt.
Neustart in Ingolstadt
1945, nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, wurde die in der
Sowjetischen Besatzungszone gelegene Auto Union AG enteignet, die
Fabrikanlagen wurden zum Teil demontiert. Führende Mitarbeiter der
Auto Union waren bereits bei Kriegsende nach Bayern gegangen, wo
Ende 1945 in der alten Garnisonsstadt Ingolstadt ein Depot für
Ersatzteile der Auto Union eingerichtet wurde. Hier entstand 1949
mit der Auto Union GmbH eine neue Gesellschaft, welche die
Kraftfahrzeugtradition der Vier Ringe fortführte. Zunächst waren
es die bewährten DKW-Produkte mit Zweitaktmotoren, die im Zeichen
der Vier Ringe wieder gebaut wurden. Diese einfachen, robusten und
zuverlässigen Automobile und Motorräder passten am besten in die
entbehrungsreiche Zeit der Nachkriegsjahre. Ab 1954 erwarb
Friedrick Flick schrittweise große Teile des
Gesellschaftskapitals. Seine Strategie war es, mittelfristig einen
starken Partner für die Auto Union zu finden. Im
April 1958 übernahm die Daimler-Benz AG 88 Prozent der
Auto-Union-Geschäftsanteile, im Jahr darauf wurde das Ingolstädter
Unternehmen zur 100-prozentigen Tochtergesellschaft.
Die Wiedergeburt der Marke Audi
Das Festhalten am Zweitaktmotor ließ die Verkaufszahlen der DKW zu
Beginn der 60er Jahre kontinuierlich sinken. In dieser Situation
beauftragte Daimler-Benz den technischen Direktor Ludwig Kraus,
einen als „Mitgift“ eingebrachten Vierzylinder- Viertaktmotor für
das DKW-Modell F 102 zu adaptieren. 1965 erschien dieses neue
Fahrzeug der Auto Union unter der Modellbezeichnung Audi auf dem
Markt. Eine neue Ära begann und verlangte nach einer
Produktbezeichnung: Der traditionsreiche Name Audi erlebte seine
Wiederauferstehung. Der Auto Union „Typ Audi“ wurde intensiv
beworben und zu einem vollen Erfolg. Doch auch in anderer Hinsicht
begann in Ingolstadt eine neue Ära. Seit 1965 gehört das
Ingolstädter Unternehmen zum Volkswagen-Konzern. Eine eigene
Fahrzeugentwicklung wurde den Technikern in Ingolstadt von den
neuen Hausherren jedoch unter sagt. Geplant war, die
Produktionskapazitäten in Ingolstadt für die Fertigung des
VW-Käfers zu nutzen. Ludwig Kraus, zu jener Zeit Entwicklungschef,
ließ sich jedoch nicht davon abhalten, im Verborgenen ein neues
Audi-Modell zu entwickeln. Dieses nachträglich von der Wolfsburger
Konzernspitze sanktionierte Modell wurde im November 1968 in
Ingolstadt der internationalen Presse vorgestellt. Sein Name: Audi
100, das erste Fahrzeug, das frei von der DKW-Erbmasse war.
Hiermit gelang es der Auto Union, die eigene Selbständigkeit zu
wahren.
Vorsprung durch Technik
1969 kam es zur Fusion zwischen der Auto Union GmbH und der in
Neckarsulm ansässigen NSU Motorenwerke AG. Das neue Unternehmen
trug jetzt die Bezeichnung Audi NSU Auto Union AG. Die
umfangreiche Palette von Audi- und NSU-Modellen mit sehr
unterschiedlichen Motoren und Antriebskonzepten führte 1971 zu
einem neuen Werbeslogan, der seither Bestand hat: „Vorsprung durch
Technik“. Nachfolger von Ludwig Kraus wurde 1974 Ferdinand Piëch.
In seiner Ära vollzog sich der Wandel von Audi zum technisch
innovativen Automobilhersteller. Gleichzeitig wurde die
schrittweise Höherpositionierung der Marke Audi in Angriff
genommen. Der Fünfzylindermotor (1976), Turbotechnik (1979) und
der Allradantrieb quattro (1980) sind eindrucksvolle Zeugnisse
dieses Erfolges. Unvergessen ist der Werbespot, in dem der rote
Audi 100 CS quattro die Pitkävuori-Sprungschanze im finnischen
Kaipola bei einer Steigung von 80 Prozent insgesamt 47 Meter hoch
fährt. 1985 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens von Audi NSU
Auto Union AG in Audi AG. Der Firmensitz wurde nach Ingolstadt
zurückverlagert. Ein Feuerwerk technischer Innovationen begleitete
den weiteren Werdegang von Audi: Vollverzinkte Karosserien,
Benzinmotoren mit Abgasturboaufladung, die Entwicklung sparsamer
direkt einspritzender Dieselaggregate, Aluminiumkarosserie, erste
Hybridfahrzeuge und die Herstellung von Automobilen der
Luxusklasse mit Acht- und Zwölfzylindermotoren dokumentieren
seither den Aufstieg der Marke Audi zum Premiumhersteller im
Automobilbau.
Jubiläumsfeier mit faszinierenden Events
Anlässlich des Jubiläums finden außer dem Festakt am 16. Juli in
Ingolstadt zahlreiche Events statt, bei denen die Premiummarke für
große Aufmerksamkeit sorgt. Die Besucher des legendären „Festivals
of Speed“, bei dem Lord March Anfang Juli auf seinem
Schlossgelände in East Sussex wieder Automobilenthusiasten aus
aller Welt begrüßte, konnte das „Tafelsilber“ aus dem Audi musuem
mobile bewundern: Erstmals wurde der Auto Union Typ C Stromlinie
außerhalb des Museums präsentiert, der einzige originalgetreue
Nachbau des Weltrekordwagens, den Bernd Rosemeyer 1937 mit über
400 km/h auf einer normalen Straße steuerte. Auch das erste
Audi-Motorsportfahrzeug überhaupt, ein Typ C Alpensieger von 1919,
konnte bewundert werden, ebenso die Auto-Union-Silberpfeile Typ C
(1936) und Typ D (1938), die Audi-Legenden Pikes Peak (1987) sowie
die Le-Mans-Sportwagen R8 und R10 nebst den erfolgreichen STW- und
DTM-Boliden. Bei der Silvretta Classic, der Ennstal Classic und
beim Gran Premio Nuvolari (18. – 20. September) ist Audi ebenso
mit am Start wie bei dem historischen Grand Prix in Bern vom 21. –
23. August. Auf der alten Rennstrecke des Großen Preises der
Schweiz fährt hier erstmals nach über 70 Jahren wieder ein
Auto-Union-Rennwagen Typ C mit. Weiterhin unterstützt die
historische Abteilung der Audi AG, die „Audi Tradtion“, die Donau
Classic in Ingolstadt, die Heidelberg Historic, die Audi Eastroric
in Ungarn sowie die Eifel Classic Rallye am Nürburgring (1. – 3.
Oktober) als Hauptsponsor. Selbstverständlich fehlte die Audi AG
auch nicht bei der weltgrößten Oldtimermesse, der Techno Classica,
in Essen.
Das Markenjubiläum „100 Jahre Audi“ bestimmt selbstverständlich
auch die Sonderausstellungen im Audi musuem mobile in Ingolstadt.
Ende Juli bis Ende November 2009 zum Beispiel wartet das
„Familientreffen“ der Rallyelegenden, jener unvergessenen Zeit der
Gruppe B aus den 80er Jahren, auf seine Besucher. Die
weltmeisterlichen Audi quattros stoßen hierbei erstmals wieder auf
ihre damaligen Konkurrenten – wenn auch nur parkend. Den Abschluss
bildet die Sonderausstellung „Familiensilber, die Ära der
Grand-Prix-Silberpfeile“ (Ende November bis Ende Februar 2010),
die ein eigenes Highlight darstellt, denn in diesem Jahr wird
nämlich auch „75 Jahre Silberpfeile“ gefeiert. Sechs Auto-
Union-Silberpfeile, so viele wie noch nie zuvor seit den 1930er
Jahren, finden hier zusammen. Zu ihnen gesellen sich die einstigen
„Brüder und Schwestern“, die Boliden der Kompressor-Ära der 1930er
Jahre. Das Audi museum mobile im Audi Forum Ingolstadt ist täglich
von Montag bis Sonntag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr geöffnet, das
August Horch Museum in Zwickau von Dienstag bis Sonntag von 9.30
bis 17.00 Uhr.
Fußballweltstars spielten beim Audi Cup in München
Audi steht für richtungweisende Technologien, innovatives Design
und herausragende Sportlichkeit. Entsprechend ausgerichtet ist
auch das Engagement der Audi AG als Partner des Sports. Technische
Kompetenz, Dynamik und Faszination verbinden zum Beispiel den
Wintersport mit Audi. Aus diesem Grund engagieren sich die
Ingolstädter als Titelsponsor des FIS Ski World Cups und als
Hauptsponsor des Deutschen Skiverbandes. Seit 2008 ist die
Audi AG auch der Titelsponsor des Audi MedCups, der beliebten
Regattaserie der schnellsten Segelyachten. Die große Bedeutung der
Serie zeigt die Beteiligung: Mehr als 20 Boote der TP52-Klasse aus
14 Nationen gingen 2008 an den Start des Audi MedCups, der in
Fachkreisen auch gerne als „kleiner America’s Cup“ bezeichnet
wird. Und natürlich ist Audi auch im Fußballsport zu Hause. Mit
dem FC Bayern München, Hertha BSC Berlin, dem Hamburger SV, Real
Madrid, dem FC Barcelona, dem AC Mailand und Manchester United
vertrauen internationale Spitzenmannschaften und zahlreiche Stars
auch abseits des Rasens auf das höchste Leistungsvermögen ihrer
Audi-Fahrzeuge. Dabei engagiert sich die Premiummarke nicht nur im
Spitzensport, sondern auch für den Fußballnachwuchs.
Zur Jubiläumsfeier spielten die Mannschaften Club Atlético Boca
Juniors, Manchester United, FC Bayern München sowie AC Mailand in
einem zweitägigen Turnier Ende Juli in München um den Titel im
Audi Cup. „Wir sind stolz, dass es uns gelungen ist, diese vier
Top-Teams für den Audi Cup nach München zu holen. Das Turnier wird
ein sportlicher Höhepunkt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100.
Geburtstag der Marke Audi“, erklärte Rupert Stadler, Vorsitzender
des Vorstands der Audi AG, zuvor die große Bedeutung dieser
Turnierpremiere.

Das Flaggschiff unter den Luxuslimousinen,
der Audi A8 W12 quattro.
Vorsprung durch Technik: die Modellpalette
Ob Audi A3, Audi A4 Avant, der sportliche Roadster Audi TT, die
diversen Audi-SUV, die Oberklassen-Limousine Audi A8 oder der
Mittelmotorsportwagen R8 mit dem hochdrehenden V8-FSIMotor und dem
permanenten Allradantrieb quattro als Aushängeschild der Marke als
Hochleistungssportwagen – kaum ein Auto bauer hat eine so
differenzierte und homogene Modellvielfalt anzubieten wie die Audi
AG. Die jüngsten Highlights waren der erste Audi-SUV im
Mittelklassesegment, der Audi Q5, der sich auf Anhieb an der
Spitze des Wettbewerbs etablierte. Eine Reihe innovativer
Technologie vermittelt – wie schon im Audi A4 und A5 – dem
Fahrerlebnis noch mehr Faszination. Das Regelsystem Audi drive
select greift auf diejenigen Technikkomponenten zu, die das
Fahrerlebnis bestimmen. Es beeinflusst die Gasannahme des Motors,
die Schaltpunkte der tiptronic und die Servounterstützung der
Lenkung. Der Fahrer entscheidet per Tastendruck, ob er betont
komfortabel, ausgewogen oder sportlich unterwegs sein möchte. Mit
dem neuen A5 Cabriolet ist Audi wieder einmal ein Wurf gelungen.
Das Textilverdeck öffnet durch serienmäßige Elektrohydraulik auf
Knopfdruck in nur 17 Sekunden. Eine Innovation stellen auch die
Ledersitze dar: Eine spezielle Beschichtung verhindert, dass die
Lederpolster in der Sonne zu heiß werden, die Nackenheizung
hingegen verlängert die Open-air-Saison im Frühjahr oder im
Herbst. Auch dem Trend zu kleineren, benzinsparenden Fahrzeugen
stellt sich Audi: Auf dem Pariser Autosalon 2008 präsentierte Audi
seine Studie des A1. Wie man sieht, ist die Ingolstädter
Premium-Automobilschmiede auch für die nächsten 100 Jahre gut
gerüstet.
Die aktuelle HIGH LIFE
Ausgabe Heft 21, erhältlich in unserem
Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH
LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen
Abonnement frei Haus.
|