 Ewiger
Kalender
Das
Gedächtnis der Zeit
WAS GESCHAH IN ROM IN DEN TAGEN VOM 5. OKTOBER BIS 14. OKTOBER
1582? Diese spontan kaum zu beantwortende, in ihrer Lösung jedoch
frappant einfache Frage führt uns zu den Ursprüngen des heute mit
größter Selbstverständlichkeit angewandten Kalendersystems Papst
Gregors XIII.
Dieser hatte am 24. Februar 1582 in Rom die Bulle
„Intergravissimas“ unterzeichnet, damit seinen bis in die
Gegenwart gültigen „Gregorianischen Kalender“ erlassen, und aus
zwingenden astronomischen Gründen u.a. verfügt, dass noch im
selben Jahr zehn ganze Tage auszufallen hätten. Dieses einmalige
Ereignis fand im Oktober 1582 statt, als auf den 4. unmittelbar
der 15. des Monats folgte. Doch rundete Gregor XIII. mit seinem
Edikt nur eine fundamentale Kalenderreform ab, die Gaius Julius
Caesar schon am 1. Januar des Jahres 45 v. Chr. in Kraft gesetzt
hatte.
TEXT: G. L. BRUNNER
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FOTOS: MICHAEL TESMANN / LES AMBASSADEURS / FRANCK MUELLER
Bis zu jenem wichtigen Datum orientierte sich der altrömische
Kalender eher am Mond als an der Sonne. Ein Mondjahr hatte zuerst
zehn, danach zwölf Monate mit durchschnittlich 29,5 Tagen,
insgesamt also 354 Tage. Aus heute rational nicht
nachvollziehbaren Gründen gesellte sich ferner noch ein 355. Tag
hinzu. Das altrömische Mondjahr begann ursprünglich am 1. März und
endete mit Ablauf des Monats Februar. Unsere Monatsnamen
September, Oktober, November, Dezember bergen etymologisch in sich
noch den Sachverhalt, der siebte, achte, neunte und zehnte Monat
des Jahres gewesen zu sein.
Nachdem das Mondjahr gegenüber dem Sonnenjahr zehn bis 12 Tage zu
kurz war, stimmten Kalender und Jahreszeiten nicht mehr überein.
Um weiterhin im Rhythmus der Jahreszeiten leben zu können wurde
alle zwei Jahre ein Schaltmonat von 22 Tagen eingeschaltet, um der
Diskrepanz immer wieder Herr zu werden. Als sich Caesar im Jahr 46
v. Chr. entschloss, dieses Durcheinander, nach damaligem
Kenntnisstand, endgültig zu beheben, fehlten bereits wieder 90
Tage, die noch im gleichen Jahr eingeschaltet werden mussten, um
den neuen Kalender zum 1. Januar 45 v. Chr. von einer astronomisch
exakten Basis aus starten zu können.
Ihren „Julianischen Kalender“ verfügten Caesar und sein
alexandrinischer Berater Sosigenes auf den Berechnungen des
griechischen Astronomen Hipparchos von Nikaia. Dieser hatte schon
150 Jahre zuvor die Länge des Sonnenjahres mit 365 Tagen, 5
Stunden, 55 Minuten und 12 Sekunden erstaunlich genau ermittelt
und dadurch die babylonische Jahreslänge von 365,25 Tagen
bestätigt. Also musste das 355-tägige altrömische Jahr um zehn
Tage angereichert werden, ein erster Schritt hin zu den heute
gebräuchlichen Monatslängen. Zudem hatte nach logischer Rechnung
auf drei „normale“ Jahre mit jeweils 365 Tagen ein Schaltjahr mit
366 Tagen zu folgen.
Im Winter 45/44 v. Chr. beschloss der römische Senat zu Ehren
Gaius Julius Caesars, der gerade den Zenit seiner Macht erreicht
hatte, dessen Geburtsmonat „Quintilis“ in „Julius“ (Juli)
umzubenennen. Als „Quintilis“ war dieser Monat 30 Tage lang. Dem
Monat „Julius“ fügte der Diktator einen Tag hinzu. Am 31. „Juli“
sollte an Gaius Julius Caesar gedacht werden. Es war ein Feiertag.
Später, 8 v. Chr., ward Augustus eine ähnliche Ehre zuteil. Weil
er am 1. Sextilis des Jahres 30 v. Chr. Alexandria erobert, damit
Antonius und Kleopatra endgültig unterworfen hatte, erhielt dieser
Monat den Namen „Augustus“. Darüber hinaus wurde auch diesem Monat
ein zusätzlicher, 31., Tag hinzugefügt. Auch er war Feiertag, auch
an ihm sollte die Bevölkerung Augustus „feiern“. Der dazu
erforderliche Tag wurde, wie auch für den 31. Juli, dem ohnehin
schon kurzen Schaltmonat Februar entnommen.
Damit war die Basis unseres heutigen Kalendersystems geschaffen;
und in den folgenden Jahrhunderten ergaben sich zunächst keine
weiteren Notwendigkeiten mehr, den Julianischen Kalender zu
modifizieren. Auch die Christen übernahmen seine wichtigsten
Einrichtungen (Monatsnamen und längen, Februar als Schaltmonat,
alle vier Jahre ein Schaltjahr) unverändert ins Mittelalter. Für
das kirchlich bedeutsame Osterfest hatten sie bestimmt, dass es
auf den Sonntag zu fallen habe, der auf den ersten
Frühlingsvollmond folgt. Zudem war schon 325 n. Chr. beim Konzil
von Nicäa der Frühlingsanfang auf den 21. März festgeschrieben
worden. Rein mathematisch musste dieser erste
Frühlingsvollmond also spätestens am 18. April eintreten. Bereits
den Astronomen des ausklingenden Mittelalters fiel jedoch das
kontinuierliche Vorrücken dieses Termins auf. Gegen Ende des 16.
Jahrhunderts betrug die Differenz schon 10 Tage, weil das
Julianische Jahr um 11 Minuten und 14 Sekunden oder umgerechnet
0,0078 Tage zu lang war. Also musste auch der Julianische Kalender
nachgebessert werden, was nach langwierigen Beratungen und Studien
zu der Kalenderreform Papst Gregors XIII. und seiner Streichung
der bereits genannten zehn Tage führte.
Damit sich dieser Fehler nicht mehr wiederholen konnte, waren die
überschüssigen 0,0078 Tage / Jahr „einzusparen“. Die Lösung des
Problems: Die ganzzahlig durch vier teilbaren Jahre blieben
weiterhin Schaltjahre bis auf die Jahrhunderte, die nicht durch
400 teilbar sind. Die Jahre 1700, 1800, 1900 sind also ganz
„regelmäßige“ Jahre zu 365 Tagen, während 1600, 2000 und 2400
Schaltjahre sind. Überdies ist alle 4000 Jahre zusätzlich ein
weiteres Mal auf den 29. Februar zu verzichten.
In katholischen Ländern trat der Gregorianische Kalender, nunmehr
astronomisch korrekt, am 15. Oktober 1582 in Kraft. Das
protestantische Deutschland folgte am 1. März 1700 und
Griechenland schloss sich 1923 als eines der letzten Länder an.
GANZ IM SINNE PAPST GREGORS XIII.
Armbanduhren mit dem Ewigen Kalender gibt es viele. Die AETERNITAS
4 MANUFACTURE FRANCK MULLER GENEVE ist hingegen einmalig, denn ihr
Uhrwerk mit „fliegendem“ Tourbillon treibt ein ausgeklügeltes
Kalendersystem an, das seinesgleichen sucht.
Ewige Kalender konventioneller Bauweise folgen dem Erlass von
Julius Gaius Caesar aus dem Jahr 45 v. Chr. In diesem Sinne
berücksichtigen sie die verschiedenen Monatslängen in Normal- wie
in Schaltjahren ohne manuelles Einwirken. Den Spezifika des Edikts
Papst Gregors XIII. aus dem Jahr 1582, wonach der Schalttag in
allen nicht durch 400 teilbaren Säkularjahren auszufallen hat,
werden sie jedoch nicht gerecht. Mit anderen Worten: 2100, 2200
und 2300 werden sie dem Februar 29 Tage zugestehen, obwohl er
lediglich deren 28 dauert. Nicht so das immerwährende Kalendarium
der AETERNITAS 4.
Es ist ewig im wahrsten Sinne des Wortes und wird der Tatsache
gerecht, dass die Jahre 2100, 2200, 2300, 2500, 2600, 2700, 2900,
3000 etc. – obwohl durch vier teilbar – keine Schaltjahre sind.
Der intelligente Mechanismus besitzt zwei zusätzliche Räderwerke
und folgt somit einem Zyklus von 1000 Jahren. Das erste der beiden
beinhaltet je ein Rad für 10, 100 und 1000 Jahre. Dieses Ensemble
gestattet die Indikation der Jahre auch über einen
Jahrtausendzyklus hinaus.
Das zweite bewirkt mit Hilfe entsprechend berechneter und
geformter Nocken das Entfallen der Schalttage in allen nicht durch
400 teilbaren Säkularjahren. Ihm ist auch geläufig, dass 2400,
2800, 3200 etc. einen 29. Februar aufweisen werden. In retrograder
Form wird das Datum unterhalb der „12“ angezeigt, das heißt, der
entsprechende Zeiger wandert im Laufe eines Monats über ein 160
Grad breites und daher bestens ablesbares Kreissegment. Abhängig
von der Monatslänge springt er nach dem 28., 29., 30. oder 31.
zurück zum 1. des Folgemonats. Die Wochentage und Monate stellen
konventionell rotierende Zeiger dar.
Eine 24-Stunden- sowie eine Schaltjahres-Indikation erleichtern
das korrekte Einstellen des Kalendariums. Besonders hilfreich ist
in diesem Zusammenhang auch das kleine Fenster im Zifferblatt-
Zentrum. Es bildet die aktuelle Jahreszahl zunächst bis (2)999 in
digitaler Form ab. Danach springt die Anzeige auf (3)000. Der Lauf
durch das nächste Jahrtausend kann beginnen. Darüber hinaus lässt
sich vom Zifferblatt der AETERNITAS 4 MANUFACTURE FRANCK MULLER
auch die Differenz zwischen der mittleren und der wahren
Sonnenzeit (Äquation oder Zeitgleichung) ablesen.
Hierzu an dieser Stelle nur so viel: Wegen der elliptischen
Umlaufbahn der Erde um die Sonne und der geneigten Erdachse
beträgt die Differenz zwischen dem kürzesten und dem längsten Tag
eines Jahres genau 30 Minuten und 45 Sekunden. Weil das zu viel
ist für ein geregeltes Leben, verordnete sich die Menschheit eine
mittlere Sonnenzeit.
Nicht minder präzise ist die Mondphasenindikation. Ihre Abweichung
von der astronomischen Norm beträgt lediglich 6,8 Sekunden pro
Mondmonat. Selbiger dauert exakt 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten
und 2,8 Sekunden. Hochgerechnet beträgt der Fehler also nur einen
Tag in 1000 Jahren. Traditionelle Konstruktionen gehen stattdessen
schon nach vier Jahren einen ganzen Tag falsch. Zu beiden Seiten
des Tourbillons in der unteren Zifferblatthälfte drehen sich ein
24-Stunden-Zeiger. Sie stellen zwei zusätzliche Zonenzeiten dar
und lassen sich nicht nur höchst individuell, sondern auch extrem
komfortabel verstellen. Der linke Zeiger steht mit einem
versenkten Drücker im linken Gehäuserand in Verbindung. Bei Reisen
in westlicher Richtung springt er pro Knopfdruck um eine ganze
Stunde zurück.
Analog dazu ist der rechte 24-Stunden-Zeiger für Trips in
östlicher Richtung gedacht. Sein zugehöriger Drücker im rechten
Gehäuserand bewegt ihn stundenweise vorwärts. Die Gehäusehöhe des
Uhrwerks wächst aufgrund der beschriebenen zahlreichen Funktionen
um 3,25 auf 10,55 Millimeter.
AETERNITAS 5 MANUFACTURE FRANCK MULLER GENEVE
Die Krönung des interessanten AETERNITAS-Spektrums verkörpert
zweifellos die fünfte und logischerweise komplizierteste Version
dieser ungewöhnlichen Uhr. Sie vereinigt in sich das Basiswerk mit
Selbstaufzug und „fliegendem“ Tourbillon, den interessanten
Schleppzeiger-Chronographen sowie – als Krönung – das wirklich
Ewige Kalendarium mit Jahres-, Mondphasen- und Äquationsanzeige.
Summa summarum enthält die AETERNITAS 5 im markanten Gehäuse „Cintrée
Curvex“ 20 verschiedene Komplikationen. Die Teilung der Zeit wurde
von den Sumerern vor gut 5000 Jahren festgelegt. In der
MANUFACTURE FRANCK MULLER GENEVE entstand die schönste Form ihrer
visuellen Umsetzung. Hier werden die Beobachtungen von Sonne und
Mond in die kommenden Jahrhunderte gebracht und zwar so, dass wir
uns erlauben, von einem uhrmacherischen Olymp zu sprechen. Mit
insgesamt 1044 Komponenten, davon 93 Rädern, darf die AETERNITAS 5
als ein grenzenloses Uhr-Vergnügen am Handgelenk angesehen werden.
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