 Das
Clooney-Syndrom
Vom
Serien-Doc zur Werbeikone
Wenn der Name George Clooney fällt, verdrehen Frauen jeden Alters
vor Verzückung ihre Augen und die Pulsfrequenz erhöht sich
schlagartig. Wie kein anderer Kinoheld unserer Tage verursacht der
amerikanische Schauspieler, Regisseur, Produzent und
„Oscar“-Preisträger Dauerherzklopfen bei seinen weiblichen Fans.
Dem Ruf als Womanizer wird er ebenso gerecht wie dem des echten
Gentleman. Kein Wunder, dass ihn die Werbung als perfektes
Testimonial entdeckt hat, an dessen Glaubwürdigkeit wenig
auszusetzen ist.
TEXT: GUNDULA LUIG_RUNGE
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FOTOS: OMEGA HEADQUARTER, MARTINI/CHARLIE GRAY
Hat Ihre Frau oder Freundin ihnen zum letzten Geburtstag
vielleicht eine Omega-Uhr geschenkt? Schwört sie plötzlich auf die
Kaffeespezialitäten von Nespresso, obwohl sie passionierte
Teetrinkerin ist? Und bestellt sie bei ihrem Lieblingsitaliener
neuerdings statt Prosecco immer diesen Martini Bianco? Das sollte
Ihnen zu denken geben. Ist da etwa ein anderer Mann im Spiel? In
der Tat. Und dazu noch einer, dem sie vermutlich nur schwer das
Wasser reichen können. Oder wurden Sie vom amerikanischen People
Magazin schon zweimal zum "sexiest man alive" gewählt? Natürlich
nicht, es sei denn, Sie heißen Brad Pitt oder Richard Gere. Ohne
auch nur die geringste Chance zu haben, müssen Sie fortan Ihr Haus
mit einem anderen teilen, einem Frauenversteher.
Er besucht Sie regelmäßig in Ihrem Wohnzimmer (was für eine
Vorstellung), glotzt mit diesem unerhört schmalzigen Blick (finden
Sie) aus dem Fernseher. Und Ihre Frau oder Freundin erkennen Sie
nicht wieder. Sie ist völlig verstrahlt, wartet ungeduldig auf
jede Werbepause im Spielfilm, damit sie damit sie ihren
Sehnsuchtsheld, George Clooney alias Filmstar „Giorgio“, im
neuesten Martini-Spot endlich wieder anhimmeln kann. Wie er aus
dem Blitzlichtgewitter der Filmfestspiele in Cannes (es ist 1962)
auftaucht, wie er sich professionell im Partygetümmel einen
Martini Bianco mixt, wie er auf spektakuläre Weise das fehlende
Eis organisiert ... magnificent. Sie wollen das verstehen?!
Vergessen Sie’s. Es ist das Clooney-Syndrom, das zumeist Frauen
befällt.
George Clooneys Erfolg bei Frauen
lässt alle anderen Männer vor Neid erblassen.
Aber Scherz beiseite: George Clooney ist
ein echtes Phänomen unserer Zeit. Ein Mann, der all das
verkörpert, was sich Menschen wünschen: beruflichen Erfolg,
gesellschaftliche Anerkennung, gutes Aussehen, Souveränität,
Unabhängigkeit, Charme, Humor. Sein Erfolg bei Frauen lässt Männer
vor Neid erblassen und Frauen fühlen sich von ihm als einem der
populärsten Mimen Hollywoods, der zudem seinen Junggesellenstatus
mit Sorgfalt kultiviert, magisch angezogen. Seine manchmal
geradezu lausbubenhafte Art erhöht den Sympathiefaktor um ein
Weiteres, macht Clooneys Image umso glaubwürdiger. Kein Wunder,
dass ein solcher Typ bei den Werbestrategen Premium-Status
genießt. Mit Clooney als Imagetransmitter steigert man die
Markenbekanntheit und -akzeptanz garantiert. Nespresso, Martini
und Omega machen es vor – und ihre Erfolge sprechen für sich.
Als leidenschaftlichem Italien-Fan, Clooney besitzt eine Villa am
Comer See, fiel es dem als Dr. Doug Ross in der TV-Serie „Emergency
Room“ bekannt gewordenen Hollywood-Star leicht, den Werbevertrag
mit der italienischen Kultmarke Martini Vermouth zu
unterzeichnen. Seit 2004 lässt er als Martini-Testimonial seinen
Charme spielen. Mit seiner Gelassenheit verkörpert der zur Zeit
wohl begehrteste Single Hollywoods perfekt das mediterrane
Lebensgefühl. „Die Wahrheit ist doch: Die Italiener verbringen ihr
Leben angenehmer als irgendjemand sonst“, so der Schauspieler.
Daher liebt auch der private Clooney „the simple pleasures in life“
und lebt echt italienisch in seiner Wahlheimat, dem idyllischen
Dorf Laglio am Comer See – ohne seinem Superstar-Status zu viel
Beachtung zu schenken. Das kann auch Michael Haussman bestätigen.
Der Regisseur des Martini-Spots „Boat“, in dem Clooney seine
Freundin gegen eine Kiste Martini eintauscht, arbeitete schon mit
Showgrößen wie Madonna oder Britney Spears zusammen, ist aber
überzeugt: „George Clooney ist nicht nur ein wahres
Schauspieltalent und ein echter Gentleman, sondern auch jemand,
der wenig Aufmerksamkeit braucht. Er packt lieber mit an, als in
seinem Wohnwagen zu sitzen. Er ist ein Regisseur, ein
Schauspieler, ein Teammitglied und ein Freund für alle.“ Mit
dieser entspannten und lockeren Sichtweise aufs Leben verkörpert
Clooney glaubhaft wie kaum ein anderer den Kern der Marke.
Auch Nespresso, der Marktführer bei portionierten Spitzen-kaffees,
setzt auf die Werbewirksamkeit des Oscar-Preisträgers (bester
Nebendarsteller in der Rolle des Bob Barnes in „Syriana“). Für das
Schweizer Unternehmen war es 2006 die erste Celebrity-Kampagne –
und eine äußerst erfolgreiche noch dazu. „Unsere Marke steht unter
anderem für Eigenschaften wie Eleganz, Stil und Charme – und
George Clooney verkörpert all diese Qualitäten“, sagt Olivier
Quillet, International Marketing Director von Nespresso.
Mittlerweile geht die Zusammenarbeit mit Nespresso-Fan Clooney,
der sowohl in seinem Haus in den USA als auch dem in Italien mit
Nespresso-Maschinen bestens ausstaffiert ist, ins dritte Jahr.
Vergangenen Sommer wurde der neueste TV-Spot unter der Regie von
Madonna-Ehemann Guy Ritchie in Mailand abgedreht, der ab November
2008 in Europa anlaufen wird. „George Clooneys dynamische
Arbeitsweise führte zu unglaublichen Erfahrungen am Set“,
berichtet Olivier Quillet, „und begeistert Millionen von
Clubkunden weltweit.“
Dritter Werbepartner im Bund ist die Schweizer Luxusuhrenmarke
Omega, zu der der Schauspieler seit seinen Kindertagen eine
besondere Beziehung pflegt. „1969 hat mir mein Onkel eine
Omega-Uhr geschenkt. Es war meine erste Uhr. Im gleichen Jahr
landete Apollo 11 auf dem Mond und die Astronauten trugen
ebenfalls Omega-Uhren. Das machte mich unglaublich stolz auf meine
Uhr“, beschreibt George Clooney seine ersten Erinnerungen an die
Marke. Nach Nicole Kidman, mit der er übrigens den Film „The
Peacemaker“ drehte, ist der Leinwandheld der zweite Schauspieler,
der für den Schweizer Uhrenhersteller als Markenbotschafter
auftritt. Das Foto-Shooting für die Print-Kampagne, die im April
2008 in der Schweiz startete, fand in Tokio statt. Als Fotograf
wurde der prominente Fotojournalist Greg Williams engagiert, der
Clooney in der außergewöhnlichen Rolle eines Uhrmachers
inszenierte. Dieser kommentierte seinen Abstecher in die Welt der
Horologisten in einem späteren Interview wie folgt: „Es scheint,
dass ich die Fachleute etwas verblüfft habe. Zu Beginn meinten
sie: ,Na lass’ den George etwas herumspielen!‘ – Als ich dann in
Kürze drei oder vier Uhren zusammenbaute, realisierten sie, dass
sie es eventuell doch mit einem ernst zu nehmenden ,Konkurrenten‘
zu tun hatten.“
Wie stimulierend der Auftritt des smarten Frauenschwarms als
Werbe-Ikone sein kann, beweisen nicht nur die gestiegenen Absätze
seiner derzeitigen Werbepartner, sondern auch sein neuester
Kino-Hit „Burn after Reading“. Dort spielt Clooney an der Seite
von Brad Pitt einen sexbesessenen Politiker, der mit Vorliebe
diverses Sexspielzeug einsetzt, um seine Gespielinnen glücklich zu
machen. Seitdem verzeichnet die Nachfrage nach erotischen
Hilfsmitteln rasante Zuwächse. Zweifelt da noch jemand an der
Vorbildfunktion von Prominenten? Überhaupt soll der smarte George
ja in Sachen Sex kein Kostverächter sein. Seiner geballten
Charme-Offensive sollen nach eigenen Angaben schon an die 1000
Frauen erlegen sein. Aber mehr verrät der Womanizer nicht über
sein spektakuläres Liebesleben. Das zeichnet ihn aus, da ist er
ganz Gentleman. Und so kann die Mehrzahl der Frauen weiter
schwärmen von ihrem Held, der Träume weckt und manchen auch
erfüllt.
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