
„Mein grösster Inspirationsquell“
Ben Serotta
baut in den Staaten
Fahrräder,
von denen man träumt
Jenseits des Teichs boomt das Fahrrad, in Deutschland schwingen
sich Minister und Starphilosophen in den Sattel. Wer beim Klick in
die Pedale keine Maschine von der Stange unter sich haben will,
dafür brillante Maßarbeit, für den gibt es eine Marke, auf der
Weltmeister fuhren.
TEXT: GÜNTER NED
|
FOTOS: SEROTTA
„Willkommen zum ultimativen Fahrraderlebnis – nur Fliegen aus
eigener Kraft käme dem gleich, vielleicht. Es ist Freiheit, Kraft,
Ruhe und Verausgabung in einem. Es ist mein größter
Inspirationsquell. Der Grund, warum ich Fahrrad fahre.“ Ben
Serottas Credo mag enthusiastisch klingen, aber: Man setze sich
zum ersten Mal auf sein erstes Serotta. Es wurde angepasst – mit
individuellsten Fitting-Methoden – auf meine Fahrweise, auf meine
Ziele, auf mein Gewicht. Aus dem breiten Sortiment von Rohren
wurden genau die für den Rahmen gewählt, die sich perfekt
eigneten. Man hat den Bewegungsbereich auf dem Rad nach meiner
Flexibilität und meiner Rumpfmuskulatur bestimmt. Die Position
gefunden, in der ich maximale Kraft aufs Pedal bringe. Und man hat
es designt in genau dem Stil, der mir vorschwebt. Und dann klickst
Du in die Pedale, trittst an und verstehst, was Ben Serotta meint.
Du hast ein Gefühl wie nie auf einem Fahrrad zuvor – und Du kommst
ins Schwärmen.
Ben Serotta und seine 40 Mitarbeiter schaffen von Hand die
absoluten High-End-Fahrradrahmen. Olympiasieger,
Tour-de-France-Champions, Triathlon-Cracks katapultierten sich
damit auf die Podeste. Anspruchsvollste Privat-Afficionados
intensivieren auf Serotta ihre Passion. Jedes Stück ist ein
Unikat, ein ergonomisches Meisterwerk, kreiert wie ein
zusätzlicher Körperteil, Komfort, Steifigkeit und Lenkverhalten
stimmen exakt zum Kunden. Jedes Serotta entsteht in ausgefeilter
Handwerkskunst und zugleich mit Technologien, wie sie nur an der
Schnittstelle von Gegenwart und Zukunft entspringen, und es
besteht aus edelsten Materialien: Karbon, Titan, Stahl. Ben
Serottas Stärke ist seine Unabhängigkeit, und dass er – im
Gegensatz zu den hochartifiziellen Rahmen seiner Räder – den
Rahmen seiner Arbeit bescheiden hält.

Rasantes
Tour-de-France-Feeling: Bergabfahrt auf einem Ottrott.
40 Mitarbeiter, wie gesagt, jeder besessen davon, dass das Rad, an
dem er grade arbeitet (20 Stunden dauert das pro Rahmen und mehr)
„noch besser wird als das letzte.“ Und wenn sie Titan schweissen,
müssen die Nähte eine Ästhetik haben wie ein Bild. Serotta, obwohl
mit italienischen Wurzeln geboren, ist Amerikaner durch und durch,
produziert ausschließlich in den Staaten. Seine beiden
Manufakturen stehen in Saratoga, New York,
und Powey, Kalifornien, kein Arbeitsschritt findet außerhalb
statt.
Seit dem Beginn vor 36 Jahren erfindet, entwickelt und verfeinert
er seine Methoden, seine signifikanten Highlights: das Colorado
Concept Rohr-Design (die Aussendurchmesser der Rohre verjüngen
sich, der Rahmen zeigt sich steif, lebendig und komfortabel
zugleich), die exklusiven 3-D-Ausfall-Enden, Titanrahmen mit sich
verändernden Wandstärken, brillante Lackierungen mit
3-D-Tiefeneffekten etc. Von italienischem Stahl abgesehen, bezieht
Serotta jedes Material aus den USA – um beispielsweise das
weltweit beste Karbon zur Verfügung zu haben, übernahm er 2007
selbst die Produktion seiner Kohlefaserwerkstoffe. Exquisit die
Serie der vier Modelle. Sie unterscheiden sich in erster Linie im
Material, haben aber die Fähigkeit gemeinsam, differenziertesten
Ansprüchen entgegenzukommen: das MeiVici aus Karbon, das Ottrott
aus Karbon und Titan, das Legend aus purem Titan und der Klassiker
der ersten Stunde, das Coeur d‘Acier mit seinem Stahlrahmen.
Als Erfolgsgeheimnis erscheint, dass Ben Serotta authentisch
geblieben ist. Er kommt bis heute jeden morgen zur Arbeit, immer
auf der Suche nach einer neuen Antwort auf die Frage: „Wie bauen
wir ein Rad, das wir noch besser finden? Eines, das noch leichter
ist, die Kraft des Fahrers noch optimaler umsetzt, ihm ein noch
entspannteres, noch komfortableres Fahren ermöglicht?“ Serotta
setzt die Marksteine für den High-End-Markt seiner Branche. In den
Staaten kommt ihm dabei ein enormer Boom entgegen. Frank Stefan
Kimmel, 40, Serotta-Repräsentant für Deutschland, die Schweiz und
Österreich: „In den USA hat Radfahren als Trendsport, gerade im
Edelbereich, inzwischen Golf überholt.“ Aber braucht es die Wahl?
Gibt es nicht Ähnlichkeiten im Feeling? Die Rasanz, die er auf
seinem Serotta erreicht, erinnerte einen Golfer schon mal an den
perfekt geschlagenen Drive.
Die aktuelle HIGH LIFE
Ausgabe Heft 18, erhältlich in unserem
Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH
LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen
Abonnement frei Haus.
|