
Go hard or go home
Ein Portrait
des DTM-Champions 2007 Mattias Ekström
Asphalt hinter seinem Audi A4 DTM und lässt das Adrenalin aus
seinem Körper weichen. Und mühsam versucht der Schwede, seine
Gefühle vor gut 1,6 Millionen Fernsehzuschauern in der ARD in
Worte zu fassen. „Ich habe um mein Leben gekämpft“, sagt er
erschöpft in das Live-Mikrofon. Und er hat gewonnen. Gegen die
Gegner, gegen seine Teamkollegen. Und gegen sich selbst.
TEXT: MARK SCHNEIDER
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FOTOS: AUDI
Das vergangene Jahr war das Traumjahr des Mattias Ekström. Und es
fand nach dem Triumph in der DTM, schon seinem zweiten nach 2004,
sogar noch einen weiteren Höhepunkt: Beim „Race of Champions“, dem
Treffen der erfolgreichsten Motorsportler verschiedenster
Disziplinen, bezwang der Schwede im Finale Michael Schumacher,
sein Idol, sein Vorbild im Motorsport. „Er hat es über viele Jahre
geschafft, ein Team um sich zu formen und zu Titeln zu führen.
Keine Frage – er ist der Größte“, sagt Ekström. Das freilich hielt
ihn nicht davon ab, „den Größten“ vor knapp 50 000 Zuschauer im
Londoner Wembley-Stadion auf gleichem Material zu besiegen. Das
können bisher nur ganz wenige Menschen von sich behaupten. Wer
Mattias Ekström im Winter nach seinen Triumphen erlebt, der lernt
einen gelösten und einfach nur glücklichen Menschen kennen. „Von
dem Moment an, in dem ich morgens aufwache, habe ich gute Laune“,
sagt der 29 Jahre alte Schwede.

Ekström ist im Rennen ein absoluter Kämpfer, er geht immer ans
Limit.
Wenn die DTM am 13. April in ihre neue Saison startet, bleibt
davon allerdings herzlich wenig. „Einen Punktebonus für den
Champion gibt es ja leider nicht“, schmunzelt Ekström. Nur einen
schönen Lohn für seine Leistungen wird er eine ganze Saison lang
genießen: Endlich hat er seine Lieblingszahl, die Nummer eins,
wieder zurück erobert. Auf der Haube seines 460 PS starken Audi A4
DTM.
In ihm musste sich Mattias Ekström in den vergangenen Wochen
wieder an den Rennfahrer-Alltag gewöhnen. Die Vorbereitungen auf
die Saison seiner Titelverteidigung bestimmen das Leben: Testen
bei Nieselregen in Mugello statt Autogrammstunden vor tausend
Fans. Fitnesstraining und Laktat-Tests statt Preisverleihungen und
Einladungen zu Ehrungen. Modell stehen im Overall für neue
Autogrammkarten statt coole Shootings für Partner wie Tag Heuer.
Für den Schweden ist das zumindest ein kleineres Problem als für
viele andere Piloten um ihn herum: Ekström ist alles andere als
ein gewöhnlicher Rennfahrer. Partys, Frauen, Monaco – er bedient
keines dieser sonst so gängigen Motorsport-Klischees.
Für Mattias Ekström zählen ganz andere Werte. Die Welt des Mattias
Ekström abseits der Rennstrecke ist ein Mix aus Entschleunigung
und purer Action. Lange Spaziergänge am Bodensee gehören dazu, mit
Lou und Moss, zwei aufgeweckte und scheinbar niemals müde zu
spielende Jack-Russel-Terrier. Oder Abende mit Freunden auf der
Terrasse vor seiner Wohnung mit einem herrlichen Blick auf den
Bodensee. Aber das ist nur die eine Seite, denn allzu oft erliegt
Ekström der Sucht nach Geschwindigkeit. Gut, dass er dafür in
seiner schwedischen Heimat jede Menge passendes Spielzeug stehen
hat: Snowmobil, Quad, Crossmaschine oder ein Audi RS 4 für Drifts
auf gefrorenen Seen.
Der Schwede ist auf der Rennstrecke kein Kind von Traurigkeit, ein
Kämpfer bis zur letzten Runde, mit allen Wassern gewaschen, immer
am Limit, aber so gut wie nie darüber hinaus. Das müssen auch
seine ärgsten Rivalen anerkennen. Und das macht Eindruck bei den
Fans. Auch bei ganz besonderen: Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef
der Volkswagen AG, der Mattias Ekström in einem Brief persönlich
gratuliert, hebt einen besonderen Aspekt des Titeljahres hervor:
Er würdigt Ekströms Leistung und seinen Titel. Aber er würdigt vor
allem, dass Mattias Ekström und die gesamte Audi Mannschaft sich
in dieser turbulenten Saison auf der Strecke wie echte sportliche
Gentlemen verhalten haben. Das sind Worte, die Mattias Ekström
etwas bedeuten, die er lebt: Nicht den Sieg um jeden Preis wollen,
sondern fair und mit Stil auch in schwierigsten Situationen und
unter dem größten Druck. Dazu passt auch ein Satz, der Mattias
Ekström auf seiner gesamten Karriere begleitet. „Go hard or go
home“ steht auf der Rückseite seines Helmes.
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