
Sir Rocco Fortes Optimismus
Jede Begegnung mit Sir Rocco Forte, dem von der Queen geadelten
Hotelier, herausragend durch sportliche Ironman-Qualitäten, ist
mir ein Vergnügen. Er ist so positiv eingestellt und ansteckend
optimistisch.
TEXT: HEINZ HORRMANN
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FOTOS: KLAUS LORKE, ROCCO
FORTE
Das gilt besonders, wenn er über sein Berliner Hotel referiert.
Angesichts der extrem hohen Pacht, die für das Hotel de Rome noch
mal um 6000 Euro pro Zimmer höher liegt als im Adlon oder im
einstigen Four Seasons, das nach heftigen finanziellen
Atembeschwerden aufgeben musste, kann man den eleganten
Forte-Hotels nur mit einer Extraportion Optimismus eine stabile
Zukunft prophezeien. Der Mann im anthrazitfarbenen Nadelstreifen,
geschneidert in der Savile Row, kombiniert mit italienischer
Krawatte und britisch dezenten Manschettenknöpfen, hebt die
Schultern: „Das beste Hotel am Platz hat immer die besten
Chancen.“ Bestes Hotel? Dafür muss man erst einmal die Frage
beantworten, was grundsätzlich ein 0rdentliches Hotel zum
Spitzenprodukt macht. Was sind die entscheidenden Kriterien?
Conrad Hilton nannte immer den Standort an erster Stelle. Der ist
beim Forte Hotel großartig: an der Rückseite eines der schönsten
europäischen Plätze im Herzen der Stadt und doch ganz ruhig
gelegen. Dazu ist die Prachtfassade durchaus mit dem Pariser
„George V“ vergleichbar. Das Interieur Design ist bis auf
Kleinigkeiten modern, wohnlich und konsequent funktionell.
Insgesamt ein gutes Zimmerprodukt, die Farbgebung ist
Geschmacksache. Sehr erfreulich (inzwischen allerdings auch
Klassen-Standard), wie Spa und Wellness offeriert werden. Ein
Tophotel definiert sich heutzutage über den F&B-Bereich (Essen und
Trinken). Das Adlon beispielsweise hat damit anfangs mehr Umsatz
gemacht als mit den Zimmern. Das F&B-Konzept aber könnte zum
Knackpunkt für das Hotel de Rome werden. Es gibt nur ein einziges
Restaurant, von der Bebels Bar einmal abgesehen. Die Qualität, um
die sich Theis Sponholz, der General Manager, persönlich kümmert,
ist freilich ausgezeichnet. Der Service allein sei die Seele eines
Hotels, bekundet immer wieder Horst Schulze, der bedeutendste
Hotelpionier aller Zeiten (Ritz-Carlton, Capella). Schulze schulte
jeden Mitarbeiter 120 Stunden im Jahr. Rocco Forte wollte sich zu
diesem Thema nicht festlegen. Fazit: Ganz ohne Frage hat das
Luxushotel Charme und Persönlichkeit. Das ist fraglos wichtiger
als die Noten in den üblichen Bewertungskriterien. Und auch als
eine Bereicherung für Berlins Nobelszene kann das Forte-Hotel
schon jetzt angesehen werden.
Einst hatte Sir Rocco ein Imperium von achthundert Hotels, tausend
Restaurants mit insgesamt mehr als hunderttausend Angestellten.
Heute dreht er ein kleineres, aber noch feineres Rad. Eine
Geschichte wie damals, 1996, würde er ein zweites Mal nicht
verkraften. Sein Vater Charles, Lord Charles, war der Hotelkönig
von Großbritannien und wie so häufig haben es Söhne von starken
Vätern besonders schwer. Es war nicht immer leicht, den Kopf über
Wasser zu halten. „Ich war mit 49 Jahren schon ziemlich alt, als
ich den Vorstandsvorsitz der Hotelgesellschaft übernahm und mein
Vater, der Firmengründer, wollte noch nicht loslassen, auch nicht
im hohen Alter. Für mich eine schwierige Situation. Man könnte so
etwas das Prinz-Charles-Syndrom nennen.“
1996 startete das Finanz-
und Entertainment-Unternehmen Granada aus heiterem Himmel die
feindliche Übernahme. Für die mit 2,50 Pfund im Kurs stehende
Forte-Aktie wurden 4,00 Pfund gezahlt. „Da hatten wir keine
Chance. Die acht Prozent Aktien, die unser Eigentum waren,
brachten gewiss viel Bargeld“ (geschätzte 40 Millionen Euro),
zusätzlich die Abfindung für den immateriellen Wert des
Unternehmens. „Aber der Verkauf war in erster Linie ein Ausverkauf
meiner Gefühle.“ Besonders ärgerlich für Rocco Forte: Mit dem
Verlust der Kette verlor er zunächst auch die Rechte am Namen
„Rocco Forte“. Aber vor einiger Zeit schenkten ihm die Granada-Eigentümer die Namensrechte zurück.
Wir sitzen in Roccos offenem, lichtem Arbeitszimmer, ganz in der
Nähe von Brown’s Hotel, das er der Raffles-Gruppe abgekauft hat.
Die Wände sind nicht mit Hotelbildern verziert, sondern mit
unzähligen Sportfotos tapeziert. Rocco Forte ist Triathlet, macht
regelmäßig das Härteste, was der Sport anbietet: 42 Kilometer
Laufen, 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren,
und das alles ohne Pause. Das fordert tägliches Training im Hide
Park und im Schwimmbad. Dafür investiert der beinharte Akteur
zwanzig Stunden in
der Woche vor dem Dienst. Dreimal startete er
bei den Weltmeisterschaften und dann, so zeigt es ein großes Bild
im Büro bei der Zielankunft unter der Zeituhr, schaffte er den
Ironman in elf Stunden. Forte ist ein Ironman, ein Mann aus Eisen,
sonst hätte er nicht wenige Monate nach dem Ausverkauf seiner
Hotelgruppe wieder neu begonnen. Die Megakette der
Übernachtungsbranche wurde von Granada übrigens zerschlagen,
verkauft und brachte letztendlich weniger Erlös als die Übernahme
gekostet hatte. Die Sturmflut in britischen Blättern hatte sich
noch nicht gelegt, als der Herbst ins Land zog. Da präsentierte
Sir Rocco mit einem Doppelschlag The Balmoral in Edinburgh und das
Savoy in Florenz als Startsignal in die Zukunft. Einmal England,
einmal Italien, das ist die Mischung, die sein Leben bestimmt.
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