
Lewis Hamilton
Was für ein
Jahr!
Lewis Hamilton hat es nicht geschafft, die Sensation nicht perfekt
gemacht, er wurde in seinem ersten Jahr nur Vizeweltmeister. Nur?
Die Gier nach immer neuen Rekorden lässt schnell vergessen: Hier
hat ein Debütant Leistungen gebracht wie keiner vor ihm - und uns
dabei mit seinem Charisma verzaubert.
TEXT: GÜNTER NED
|
FOTOS: GETTY IMAGES
Da war noch alles offen: Freitag, 19. Oktober 2007, großer Preis
von Brasilien, 17. und letztes Rennen der Saison, erstes freies
Training. Lewis Hamilton nutzt es, um sich locker aufzuwärmen.
Rivale Fernando Alonso bleibt in der Box. Die Situation ist
spannend wie schon lange nicht mehr in der Formel Eins. Zum ersten
Mal wieder seit 1986 können im letzten entscheidenden Rennen drei
Fahrer Weltmeister werden: Hamilton und Alonso, die beiden
Stallgefährten von McLaren-Mercedes, Kimi Räikkönen, der "Iceman"
aus Finnland. Aber die öffentliche Meinung hat sich so gut wie
entschieden. BILD-Leser waren sich sicher: "Lewis Hamilton wird
Weltmeister." Auch für viele Fahrer und Teamchefs war der
Sensations-Rourkie Favorit, und die Fanwelt wollte es nicht
anders: Ein spektakuläres Rennjahr - keiner hatte es so erwartet
nach dem Abgang von Michael Schumacher - sollte mit einem Happy
End für den ersten schwarzen Fahrer der Königsklasse im Rennsport
gekrönt werden. Was für eine Situation für den 22-jährigen Briten,
was hatte er aus seinem Anfängerjahr gemacht!
Wie zurückhaltend hatte sich sein Teamchef und Ziehvater Ron
Dennis noch zu Beginn der Saison geäußert: "Lewis hat diese Chance
verdient, aber es wird hart für ihn werden in den ersten Rennen.
Man kann von ihm nicht erwarten - und wir tun es auch nicht - dass
er sofort Spitzenleistungen bringt." Dennoch sei es nicht
unrealistisch, in seiner Debüt-Saison mit einem Sieg von ihm zu
rechnen, "wenn wir ein starkes Auto haben, aber sicher nicht in
der ersten Hälfte der Saison". Wie fürsorglich klingt das, wie
bemüht, den Druck auf den Neuling so gering wie möglich zu halten.
Inzwischen konnte man erfahren, dass man hinter den Kulissen nicht
ganz so dachte.
Im September wurde eine Äußerung von Hamiltons Renningenieur Phil
Prew bekannt: "Ron (Dennis) und Martin (Witmarsh, CEO von Vodafone
McLaren Mercedes) gaben mir im November 2006 den Job, Lewis von
einem GP2-Fahrer zu einem Formel-Eins-Fahrer umzuformen.
Tatsächlich war das Briefing etwas spezifischer: Ich sollte ihn
fit dafür machen, in Melbourne auf dem Podium zu stehen." Und
Martin Witmarsh erläuterte genauer, warum man dem frischgebackenen
GP2-Champion die Chance gab: "Lewis hat sich mit eigener Kraft zu
dem Fahrer gemacht, der er heute ist. Er hat die ganze harte
Arbeit gemacht. Wir gaben ihm lediglich die Unterstützung und die
Struktur, in der er seine Fähigkeiten schleifen konnte. Vom ersten
Tag an hat uns Lewis mit dem hohen Level seines Einsatzes
beeindruckt. Hätte er das nicht getan, hätten wir keinen Penny in
ihn investiert."
Wir wissen heute, wie sehr Lewis Hamilton die Erwartungen nicht
nur erfüllte, sondern wie atemberaubend er sie übertraf. Er stand
nicht nur beim Auftakt in Australien auf dem Treppchen, er
etablierte sich dort für die weiteren vier Rennen, und das
darauffolgende, den Grand Prix von Kanada, gewann er bereits - da
war gerade mal das erste Drittel der Saison gelaufen. Schon nach
dem vierten Rennen, dem Grand Prix von Spanien, führte er die
Gesamtwertung an, und seit er nach Kanada auch gleich noch in
Indianapolis siegte, gab er die WM-Führung bis vor dem letzten
Rennen in São Paulo nicht mehr ab. Dort gab es am Freitag im
zweiten freien Training eine leichte Irritation. Lewis unterlief
der Fehler mit dem Regenreifensatz - es war nicht unbedingt ein
schlechtes Vorzeichen. Man konnte es eher als typisches Bild
lesen.
Hamilton hatte zuvor schon Rückschläge eingesteckt - um danach nur
um so brillanter wieder aufzutreten. Nach dem Trainingscrash beim
Großen Preis von Europa am Nürburgring ging er leicht verletzt an
den Star und wurde immerhin Neunter. Beim nächsten Rennen in
Ungarn sah er wieder als erster die Zielflagge. Und auch widrigste
Umstände beim Regen-Grand-Prix in Japan verwandelte er in einen
Triumph: Platz eins auch im Land der aufgehenden Sonne.

Wie hier nach dem Sieg des Grand
Prix von Indianapolis wollte Lewis Hamilton eigentlich die
Formel-1-Weltmeisterschaft als jüngster Champion aller Zeiten
feiern.
Das vollständige
Portrait lesen Sie im HIGH LIFE Ausgabe Heft 16, erhältlich in unserem
Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH
LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen
Abonnement frei Haus.
|