
Earthrace auf grüner
Mission
Hamburgs Hafen bekam Besuch von einem Powerboot, das mit
Biodiesel fährt und als Rekordbrecher auftritt.
Die Hamburger lieben Besuch in ihrem Hafen, und sie sind noble
Gäste gewöhnt. Wie sie mit massenhafter Begeisterung die Queen
Mary 2 begrüßen, wann immer sie einläuft, ist längst Kult. Als
Ende August 2007 die Earthrace den Sporthafen ansteuerte, kam es
freilich zu einem Rendezvous, das einer Begegnung der dritten Art
recht nahe kam.
TEXT: GÜNTER NED
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FOTOS: EARTHRACE
Wie ein extraterrestrisches wassergängiges Raumschiff kam der
Trimaran den einen vor, andere verglichen ihn mit einem gehörnten
aggressiven Rieseninsekt. Als sich die Crew dann zum Gespräch und
die Earthrace zur Besichtigung anbot, war es für manchen
Schaulustigen die erste Gelegenheit, zu erfahren, was es mit dem
silberfarbenen Powerboot auf sich hat. Es liegt eine gescheiterte
Rekordumrundung der Erde hinter ihr, gegenwärtig ist sie auf
Promotionstour durch Europa.
Die Mission der Earthrace: Ihre Existenz und ihre rasanten
Unternehmungen haben ökologischen Impetus, verstehen sich als
Einsatz für umweltfreundliche Technologien. Die Earthrace fährt
mit Biodiesel und präsentiert sich auch sonst als Vorzeigemodell,
vom Rumpf, designt aus nichtgiftigen Materialien, bis zum extrem
niedrigen CO2-Ausstoß der beiden je 540 PS starken
Cummins-Mercruiser-Motoren.
Motto: „Die Earthrace ist derzeit eines der meistbeachteten und
grünsten Powerboote der Welt. Die spektakuläre Weltumrundung als
Beitrag zur globalen Klimarettung startete im März 2007. Sie stand
leider unter unguten Sternen: eine Kollision vor der Küste
Guatemalas (in voller Fahrt mit einem Fischerboot, das falsche
Warnlichter gesetzt hatte, ein Fischer kam ums Leben), Tage ohne
Treibstoff, schwere Seen, schließlich Ende Mai ein Sturm im
Mittelmeer mit Materialschäden, die zum Abbruch zwangen – nicht
aber zur Aufgabe. Der Neuseeländer Pete Bethune, CEO und Spiritus
Rector des Unternehmens, passionierter Umweltschützer, Besitzer
und Skipper der Earthrace hat einen neuen Versuch für März 2008
angekündigt.
Ziel ist das gleiche: Den Weltrekord für die Erdumschiffung durch
Powerboote zu brechen. Er steht bei 75 Tagen. Bethune: „Den Rekord
vernichtend zu schlagen, ihn mit zehn oder mehr Tagen zu
unterbieten, ist mit Sicherheit machbar. Aber auch wenn wir es nur
mit vierundsiebzigeinhalb Tagen schaffen, lassen wir die
Champagnerkorken knallen.“ Was den Skipper so zuversichtlich
macht, sind – neben den 45 kn (90 km/h) Höchstgeschwindigkeit, der
Reichweite von 3000 nm (6000 km) – Highlights wie das
futuristische Design der Earthrace. Es hat seinen Grund in einer
wichtigen Funktion. Der Bug ist ganz scharf, es gibt vorne nur
minimalen Auftrieb, vertikale Bewegungen werden so weit wie
möglich reduziert.
Zweck: Die Earthrace reitet nicht über die Kämme der Wellen, sie
soll auch bei bewegtester See die Wellen durchstechen, ja, durch
sie hindurchtauchen können. Technologische Spitzenleistung also in
Verbindung mit seemännischem Mut und Können – ein Trumpf im Kampf
gegen den Klimawandel. Pete Bethune: „Es gibt die Vision einer
Welt, die ausschließlich Treibstoffe aus nachhaltigen Ressourcen
verwendet. Indem sie die Power, die Zuverlässigkeit und die
Umweltsicherheit von Biodiesel demonstriert, setzt sich die
Earthrace dafür ein, diese Vision zu verwirklichen.“
Zugegeben, es gab unter den Hamburgern, die das Powerboot in
Augenschein nahmen, auch skeptische Stimmen, Verweise etwa darauf,
wieviel natürlicher Regenwald den nachhaltigen Plantagen geopfert
würde, wie viele Urwaldtiere dabei ihre angestammte Lebenswelt
verlören. Eindrucksvoll bleibt: Das Unternehmen Earthrace wurde
und wird von freiwilligen Helfern leidenschaftlich unterstützt,
von namhaften Firmen gesponsert. Unübersehbar: Industrien haben im
Klimaschutz ein Ziel gefunden.
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