
Vollblut DBS
James Bonds
neuer Aston Martin geht in Serie
René Staud fotografierte den Aston Martin DBS. Seine mystischen
Szenerien fand er unter anderem in Prag.
TEXT: GÜNTER NED
Aston Martin und 007 – eine
unendliche Geschichte. Keine Verfilmung der legendären
Agenten-Thriller von Ian Fleming ist denkbar, ohne dass der Held,
ob er von Sean Connery, Roger Moore, Pierce Brosnan oder nun, in
Casino Royal, von Daniel Craig gespielt wird, mit einer
spektakulären Ausgabe des britischen Edelsportwagens auftritt. Für
Casino Royal baute Aston Martin einen Prototyp, der nun als DBS in
Serie geht. Das Modell muss in seinem nichtfiktiven Leben zwar
ohne Pistolen- und Schalldämpfer-Set, ohne ferngesteuertes
Wiederbelebungsgerät auskommen. Aber es verwöhnt seinen Besitzer
mit unwider-stehlicher ästhetischer und fahrtechnischer Brillanz.
Mit dem DBS will Aston Martin „die Lücke zwischen Straße und
Rennkurs, zwischen DB9 und DBR9 überbrücken“. Er wird, nicht ohne
Enthusiasmus, als Vollblut vorgestellt, das sich auf einer
kurvigen Bergstrecke so zu Hause fühlt wie auf der offenen Straße.
Der Aston Martin „ist, von einer 6-Liter-V12-Maschine angetrieben,
ein aus dem Rennen geborener Zweisitzer, geformt nach den
aerodynamischen Maßgaben, wie sie High Performance fordert. Sein
exquisites Interieur vermählt schöne, von Hand gefertigte
Materialien mit dem neuesten Stand der Fahrtechnologie. Die
Kombination von elegantem Design, innovativen
Manufaktur-Prozessen, Materialien und Komponenten, die aus der
Rennerfahrung stammen, dazu Aston Martins unbestrittene
handwerkliche Expertise machen den DBS zu einem Luxussportwagen,
der seinesgleichen sucht“, so die britische Fahrzeugschmiede.
Tatsächlich muss die Nähe des neuesten Straßenmodells von Aston
Martin zu seinen Rennversionen auf jeden potenziellen DBS-Besitzer
stimulierend wirken. Der DBR9 und der DBRS9 haben die gleiche
6-Liter-V12-Maschine wie der DBS, nur mit dem Unterschied, dass
die Rennantriebe auf über 600 PS hochgetunt werden, während der
DBS auf – immerhin – 517 PS stehen bleibt.
Aber bereits diese Horse Power macht ihn – wie der passionierte
Aston-Martin-Fotograf René Staud schwärmt – „zu einem Vollblut,
das man eher zügeln will, als dass man ihm die Sporen gibt“. Aber
auch Fahrer, die mit einem High-End-Sportwagen wie dem DBS gern an
die Limits gehen, haben ein Gefährt unter sich, das mit viel
Sicherheitsbewusstsein auf die Piste geht. Unter dem Motto
„herausragende Power bei höchster Kontrolle“ haben die
Konstrukteure dem neuesten James-Bond-Begleiter einige
Wundermechanismen verpasst, die ihn intelligent auf der Spur
halten. Sein adaptives Dämpfer-System (ADS) zum Beispiel passt
sich automatisch der Fahrweise an, schaltet sich von „sanft“ auf
„fest“, wenn der Fahrer Lust verspürt, die Rennqualitäten des DBS
auszutesten, und stellt dabei maximale Kontrolle sicher.
Unterstützung gibt in solchen Phasen das Dynamic Stability Control
System (DSC). Es sorgt in Momenten, wo der Fahrer die
grenzwertigen Herausforderungen sucht, für maximale Traktion. Bei
wirklich gefährlichen Operationen schaltet es sich automatisch
ein. Sonst wird es vom betont sportlichen Fahrer selbst aktiviert,
und dann sorgt das DSC für erhöhte Wachsamkeit aller eingebauten
Sicherheitssysteme.
Die brillante Performance verdankt der DBS exzellenter
Konstrukteurskunst, nicht zuletzt seiner Leichtbauweise aus
Aluminium und Kohlefaser, die gleichwohl feste Struktur und
optimale Balance zwischen Kraft und Masse sicherstellt. Das
Gewicht wurde auf ein Minimum reduziert, gleichzeitig schaffte man
seine ausgewogene Verteilung zwischen dem Motor, der mittig in der
Front, und dem Getriebe, das mittig im Heck sitzt. 85 Prozent des
Gewichts sitzen innerhalb des Fahrgestells.
Bleibt bei aller technischen Perfektion: Der DBS wäre kein echter
Aston Martin, würde er sich nicht auch als aufsehenerregende
Schönheit präsentieren. Bei Aston Martin wird man fast poetisch,
wenn man seine Ästhetik nach vorne bringt: „Das Design drückt das
enorme Potenzial des Wagens aus – mit einem verführerischen Fluss,
der seine Aggressivität ebenso verkörpert wie seine kraftvolle
Entschlossenheit. Die Karosserie des DBS ähnelt einem gutgebauten
Athleten in einem hautengen Dress. Wie eine straff gezogene Hülle
liegt sie den Muskeln an, die unter ihr arbeiten. Ausdruck dafür:
stramme Linien und kraftvoll skulpturierte Flanken.“
Aston Martin und René Staud – das ist eine Geschichte
fotografischer Highlights. Der von Autos leidenschaftlich
inspirierte Kamerakünstler ist ein Meister darin, die Schönheit
des britischen Sportwagens ins rechte Licht zu rücken. Dabei
erzählt er immer hübsche Geschichten. Gerade erst hat er auf
Island den Aston Martin V8 Vantage Roadster als Feuer- und
Eisgeburt inszeniert, nun verschafft er dem DBS einen Auftritt in
nicht weniger stimmungsvollem Milieu. Staud: „Ich wollte die
Brücke zu Casino Royal schlagen und den DBS an allen Schauplätzen
fotografieren, die der Film zeigt. Das erwies sich dann aber als
sehr schwierig, und schließlich haben wir uns auf den Anfang
konzentriert, und der spielt bekanntlich in Prag.“
Bei aller Nähe zum neuesten
James-Bond-Streifen – großen Reiz schöpft Stauds DBS-Fotografie
aus einem Unterschied: 007-Akteur Daniel Craig jagt den Aston
Martin – es liegt ja auch nahe – auf regennasser Straße mit
rasanter Geschwindigkeit durch die Landschaft. Staud macht das
Gegenteil: Er setzt den DBS in die Stille. Der Wagen wartet
unbewegt in menschenleeren Szenerien. Gefunden wurden sie unter
anderem in Prag und in der tschechischen Stadt Kolin. Und Staud
erzählt seine Geschichte vom DBS mit Bildern, deren Suggestivkraft
man sich schwer entzieht.

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