
Andrea Zagato
Er ist die dritte Generation der berühmten italienischen
Designer-Dynastie, soeben hat sich sein Signet, das „Z“, wieder
einmal erfolgreich mit dem Maserati-Dreizack gepaart. Wir trafen
uns mit Andrea Zagato zur Weltpremiere.
INTERVIEW: THOMAS KLOCKE
| FOTOS: RENÉ STAUD / ZAGATO
Dr. Zagato,
wird das eine Serie? Schon im vergangenen Jahr wäre naheliegend
gewesen, dass Sie Ihren Ferrari 575 GTZ der Öffentlichkeit
vielleicht zuerst auf dem Genfer Autosalon vorstellen. Stattdessen
wählten Sie die Villa d'Este. Und dieses Jahr kommt gleich das
Double. Auch der neue Maserati GS Zagato feiert Weltpremiere am
Comer See.
Das hat uns etwas Mut gekostet, aber wie nahe sich die Marke
Zagato und der Concorso d'Eleganza sind, ist ja spätestens 2004
ganz besonders deutlich geworden. Da haben wir hier unser 85.
Firmenjubiläum gefeiert und 50 verschiedene Modelle aus der Zeit
von 1927 bis 2004 präsentiert. Für den neuen Maserati gilt wie für
den Ferrari: Die Villa d'Este ist einfach der ideale Rahmen.
Und dass Como in Italien liegt, ist dabei ganz zufällig?
Nein, ich sage es gern wieder: Es gefällt mir, dass die Tradition
des italienischen Wettbewerbs neu auflebt, ich hoffe, dass sie
sich fortsetzt, und unsere Auftritte am Comer See verstehen sich
unter anderem als Hommage darauf.
Man sieht den Maserati GS Zagato und denkt: So ein Design kann
nur in Italien entstehen. Woran liegt das?
Das könnten Sie natürlich auch beim Maserati A6 G Zagato von 1954
fragen, er hat uns für die neue Kreation inspiriert. Ich denke, es
ist eine exzellente Harmonie von Form und Inhalt. Das ist
maßgeblich italienisch und wird es immer sein. Kraftvolle,
verlässliche Mechanik und sportlich eleganter Stil, das ist Made
in Italy.
Zum Inhalt hat der Maserati GS Zagato von 2007 ein
Gran-Sport-Spyder-Chassis mit einem 4,2-Liter-V8-Motor, der 400 PS
und 285 km/h Spitze bringt. In Ihrem Atelier ist daraus ein
geschlossener Sportzweisitzer mit Fließheck und perfekten
Stromlinien geworden. Warum haben Sie den Radstand um 18
Zentimeter verkürzt?
Das brachte ausgezeichnetes Handling, enorme Kurvenstabilität und
eine hohe Steifigkeit für die Karosserie.
Zur Form: Man sagt Zagato nach, dass seine Karosserien in dem
Augenblick, in dem sie zum ersten Mal gezeigt werden, bereits
Klassiker sind, und man kann hier beim Concorso viele Stimmen
hören, die das auch dem neuen Maserati GS Zagato bescheinigen. Wie
machen Sie das?
Wir laufen keinen Moden nach, wir verfolgen immer das gleiche
Ziel: sportlich elegantes, gleichzeitig funktionelles Design. Wir
sind wohl so eine Art Spürnasen und versuchen immer neu
herauszufinden: Was macht Autofahren erregend, was macht es
lustvoll.
Der Maserati GS Zagato verdankt seine Geburt einem
passionierten Auftraggeber. Paolo Boffi, selbst namhafter
Designer, wenn es um schicke Möbel und andere Luxusgüter geht, war
mit seinem Maserati GS Spyder nicht zufrieden, wollte lieber eine
Zagato-Rarität fahren. Solches Faible für Exklusivität wußte Ihre
Familie immer gut einzufangen, nicht?
O ja, ich liebe diese Tradition. Schon in den 50er und 60 Jahren
waren die idealen Zagato-Kunden die Gentlemenfahrer. Am Wochenende
wollten sie Rennen bestreiten, unter der Woche mit demselben Wagen
durch die Stadt fahren. Ein anderer Ansporn kommt natürlich von
den Sammlern. Wir antworten auf ihre Ansprüche seit jeher mit
fließenden Formen, leichten Karosserien (der neue Maserati ist aus
Aluminium wie sein Vorbild von 1954) und edlem Innenleben. Unsere
Autos müssen Werte sein, die steigen.
Sie unterstreichen Zagatos Tradition. Wie geht es weiter? Welche
Visionen hat die dritte Generation? Wie blickt Andrea Zagato in
die Zukunft?
Voller Optimismus. Zagato hat ein reiches Erbe, das hilft uns, im
Design-Zeitalter Hightech und Karosseriehandwerk effektiv
miteinander zu verschmelzen. Nur so kann man Prototypen schaffen.
Und etwas ist ganz wichtig: der Nachwuchs. Es gelingt uns, das
Interesse begabter junger Leute zu wecken. Bei uns finden sie
Arbeit, die Handwerkskunst braucht.

Highlight 2007 am Comer See: Maserati GS Zagato.
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