
FIRE AND ICE
Der Aston
Martin V8 Vantage Roadster als Feuergeburt
– das war nur eines der faszinierenden Motive, die René
Staud für „Fire and Ice“, den Aston-Martin-Kalender 2007,
festhielt. Fundstelle: Island, die größte Vulkaninsel der Welt.
Dem Top-Fotografen gelangen dabei Bilder von malerischer
Aussagekraft. Im HIGH LIFE-Interview äußert sich René Staud
zum Making-of.
TEXT UND INTERVIEW GÜNTER
NED
| FOTOS RENÈ STUAD
Mystische Stimmung über dem schwarzen Felsen am Strand von
Reynisfjara: Ein Landstreifen aus schwarzer Vulkanerde, zu beiden
Seiten vom Meer umspült. Über dem Felsen, im fahlen Morgenhimmel
schweben dunkle Vögel, unten auf der erstarrten Lava, sozusagen
als letztes Feuerfünkchen: ein roter Aston Martin. Oder: Der
vulkanische Gletscher Vatnajökull ergießt sich ins Tal. Seiner
blauweiß gefrorenen Strömung entfließt ein Aston Martin in
Silbermetallic – der V8 Vantage Roadster als Eisgeburt. Es sind
spektakuläre Fotografien, mit denen der Aston-Martin-Kalender 2007
Fans der britischen Sportwagenlegende durchs Jahr führt,
geschossen von René Staud in einer atemberaubend schönen
Landschaft. Der renommierte deutsche Automobil-fotograf war mit
einer neunzehnköpfigen Crew für ein sechzehntägiges Shooting auf
die größte Vulkaninsel der Welt geflogen, nach Island. Mit dabei
die beiden Starmodels: zwei Aston Martin V8 Vantage Roadster, der
eine feuerrot, der andere eisig silberfarben.
Auf Island fand René Staud perfekte Szenerien, in einer Natur, die
nie zur Ruhe kommt, deren traumhafte Gebilde immer zwischen
Gletscher und Vulkan, zwischen Feuer und Eis schweben. Das wurde
dann auch der Titel des Kalenders: „Fire and Ice“. Es gibt einen
Bildband dazu, der die Entstehungsgeschichte erzählt, vom Bad des
Fotografen in der heißen Salzwasserlagune bis zum drohenden
Vulkanausbruch, simuliert vom Feuerwerker. Kalender und Buch sind
zu beziehen über www.fire-and-ice.info.
Herr Staud, Sie haben Feuer und Eis auf Island produziert.
Waren Sie zum
ersten Mal da?
Zum ersten Mal, ja, und das war ein Erlebnis, das sich eigentlich
nicht mehr steigern lässt. Ich hab nur den Wunsch, einmal im
Winter wiederzukommen. Dann frieren die Wasserfälle teilweise zu,
und das Bild würd ich mir gern noch wünschen.
Was hat Sie in den sechzehn Tagen, die Sie auf der Insel
gearbeitet haben,
am meisten fasziniert?
Man sieht es schon aus der Luft: Diese Landschaft hat eine solche
Großartigkeit, da wird der Mensch wahnsinnig klein. Das Wetter
ändert sich fünf, sechs, sieben Mal am Tag, man erlebt eine solche
Urtümlichkeit – ich hab es auf keinem anderen Kontinent derart
deutlich gespürt: Wir Menschen sind nur Besucher auf dieser Erde.
Sie inszenieren die Spannung zwischen Feuer und Eis, in der
diese Vulkaninsel schwebt, mit spektakulärer Schönheit, und dafür
haben Sie auch noch selbst Feuer gelegt. Wollten Sie der Natur
etwas auf die Sprünge helfen?
Die Feuerinszenierung, die wir beim Fischerdorf Grindavic gemacht
haben, ist authentisch. Diese Feueradern gibt es wirklich. Wenn
ein Vulkan ausbricht, dann öffnet sich die Erde und Lava quillt
hoch. Aber zuvor treten Gase aus, und die brennen in solchen
Figuren wie auf unseren Bildern. Nur dauert es unter Umständen
Jahre, bis irgendwo auf der Insel das Phänomen entsteht, und dann
kann man natürlich dort, wo der Ausbruch ist, nicht fotografieren.
Also haben wir uns Gas und Leitungen besorgt und die Szene anhand
von Dokumentarfotos original nachgestellt.
Es gibt ein Motiv zwischen Feuer und Eis, das es Ihnen
offensichtlich angetan
hatte, jedenfalls rücken Sie es mehrfach ins Bild: Wasser.
Ja, das war faszinierend für mich. Wasser wollte ich als
Bildelement erst gar nicht einsetzten, bis man mir erzählt hat,
wie Wasser auf Island vulkanisch entsteht. Es gibt Vulkane, die
nicht unter der schwarzen Erde, sondern unter einem Gletscher
ausbrechen. Dann brennt sich die kochende Lava wochenlang durch
das kilometerdicke Eis nach oben, und wenn sie ausbricht, folgt
ihr eine gigantische, sechs bis zwölf Meter hohe Flutwelle. In dem
Augenblick hat sich Wasser auf Island für mich plötzlich mit Sinn
aufgeladen: als Symbiose von Feuer und Eis – und dann musste ich
es natürlich fotografieren.

Die magische Aura dieses Aston Martin hat mich inspiriert.
Den V8 Vantage Roadster umgeben von Naturgewalten zu zeigen
– so puristisch, eindrucksvoll, präsent wie die Landschaft selbst
–
war eine große Herausforderung für mich.
René Staud
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