
Pierce Brosnan
Vom
Meisterspion zum Westernhelden
Pierce Brosnan spricht über seinen Film „Seraphim Falls“, den
Abschied von James Bond und wie er zum zweiten Mal im Leben
die Liebe gefunden hat.
TEXT: Bruno Lester/IFA
| FOTOS: Getty Images
Mit seinem Bart und den
langen Haaren, die er sich für „Seraphim Falls“ zugelegt hat,
passt Pierce Brosnan so gar nicht mehr in das smarte
James-Bond-Image. „The Matador“, sein erster Film nach der
Bond-Ära, der ihm gleich eine Golden-Globe-Nominierung in der
Kategorie „Best Actor – Comedy“ einbrachte, kennzeichnet den Bruch
mit seiner 007-Vergangenheit. Fortan möchte er nicht mehr auf eine
Rolle festgelegt sein, sondern verschiedenste Genres ausprobieren.
In seiner nächsten Rolle im Thriller „Butterfly on a Wheel“ spielt
Brosnan einen Entführer, der versucht, Lösegeld für ein Kind zu
erpressen. Dann gibt er noch mal Vollgas für das Drama nach dem
Kinderbuch „The True Confessions of Charlotte Doyle“.
Natürlich hat der in Irland geborene Schauspieler während seiner
langjährigen Karriere mehr gespielt als nur den berühmten
Geheimagenten im Dienste Ihrer Majestät. So überzeugte er in „Die
Thomas Crown Affäre“ als reicher Kunstdieb und in „Der Schneider
von Panama“ als korrupter britischer Spion. Nach seinem neuen
Projekt „Seraphim Falls“ wird man diesen James Bond allerdings
wohl mit anderen Augen sehen. Der düstere, blutrünstige Western
spielt kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Brosnan
verkörpert darin die Rolle des Gejagten, und Liam Neeson spielt
den Mann, der ihn um jeden Preis finden und töten will. Zu den
weiteren Darstellern gehört auch Anjelica Huston.
Geboren ist der
53-jährige, ehemalige „Sexiest Man Alive“ (nach dem
US-amerikanischen „People Magazine“) in der Grafschaft Meath.
Seine schauspielerische Laufbahn begann er jedoch in Amerika (fünf
Jahre lang spielte er in der TV-Serie „Remington Steele“), bevor
ihn insgesamt vier Bond-Filme in die Liga der Hollywood-Superstars
katapultierten. Zudem ging er unter die Filmemacher und gründete
mit „Irish Dream Time“ eine eigene erfolgreiche
Produktionsgesellschaft. Umwerfend gut aussehend und tadellos
gekleidet (schwarzes Hemd und braunes Jackett) erscheint der
smarte Ire zum Interview während des Toronto Film Festivals, bei
dem er Werbung für seinen Film „Seraphim Falls“ macht. Dieser
höfliche, unkomplizierte Typ, der mit seiner zweiten Frau Keely
und den Söhnen Dylan, 9, und Paris, 5, im kalifornischen Malibu
lebt, trägt sein Gepäck selbst und begrüßt uns mit festem
Handschlag.
Wie fanden Sie
es, den Film „Seraphim Falls“ zu machen?
Ich wollte schon immer einen Western machen, denn damit bin ich
aufgewachsen. Clint Eastwood war einer meiner Lieblingshelden und
John-Ford-Western standen schon immer auf meiner Wunschliste. Ich
war begeistert vom Drehbuch und dass Liam (Neeson) mit im Boot
war, hat mich besonders gefreut. Wir kennen uns schon so lange,
aber haben noch nie zusammen gearbeitet. Und ich hatte von
(Regisseur) David Von Ancken „Bullet In The Brain“ gesehen,
wirklich großes Haiku-Kino. Dann drehten wir noch in Santa Fe. Es
stimmten einfach alle Elemente.
Was hat Sie an der Story gereizt?
Es ist eine einfache Story, aber eingebettet in sehr komplexe
Fragestellungen über Sinn und Sinnlosigkeit des Krieges. Und der
Film erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Verwirrung und Wut und
die Lügen und Ausreden der US-Regierung uns auf einen sehr
düsteren Weg gebracht haben, den wir nicht eingeschlagen hätten,
wenn wir vorsichtiger gewesen wären und mehr Mitgefühl und Respekt
für andere Länder gezeigt hätten.
Ist diese Rolle eine bewusste Demontage Ihres Bond-Images?
Nein, so sehe ich das nicht. Die Jahre als 007 waren fantastisch,
aber eben nur ein Teil meiner langjährigen Karriere. Die
Bond-Phase ist jetzt vorbei.
Als man Ihnen als Bond den Laufpass gegeben hat, schienen Sie
enttäuscht zu sein.
Es war enttäuschend. Aber nachdem ich 24 Stunden in einer Art
Schockzustand zugebracht hatte, war ich plötzlich völlig ruhig.
Ich dachte, jetzt kann ich alles machen, wozu ich Lust habe. Ich
bin weder denen noch irgendjemand sonst verpflichtet. Ich muss
nicht mehr ein vertragliches Image erfüllen. Es war also fast wie
eine Art Befreiung. Heute bin ich einfach wahnsinnig stolz, bei so
einem fantastischen Franchise mitgemacht zu haben, das ja dank dem
großartigen Daniel Craig jetzt fortgesetzt wird.
Was halten Sie von Daniel Craig in seiner Rolle als James Bond?
Er war eine interessante Wahl und ist ein erfahrener und toller
Schauspieler.
Ich wünsche ihm für die nächsten Jahre viel Erfolg und
Zufriedenheit mit der Rolle.
Was befriedigt Sie bei Ihrer Arbeit als Schauspieler?
Die tägliche Arbeit am Set ist für mich eine echte Befriedigung.
Nach Hause zu kommen und sagen zu können: „Die Szene ist im
Kasten.“
... Denn wenn der Film erst mal herauskommt, hat man keinen
Einfluss mehr darauf. Wenn er toll ist, ist es ein tolles Gefühl!
Und wenn er schlecht ist, tut es weh – unsäglich. Man muss damit
leben.
Welchen Film würden Sie gern als nächstes machen?
Ich würde für mein Leben gern eine durch und durch romantische
Komödie drehen. „Die Thomas Crown Affäre“ kam dem am nächsten, und
wir planen gerade ein Sequel. Am liebsten würde ich gern alles
machen, Dramen, Komödien, Horrorfilme, Science Fiction, Musicals
...
Wie sieht Ihr Lebensstil aus?
Ich habe eigentlich ein ziemlich konservatives Leben (in Malibu,
Kalifornien). Ich wäre gern ein bisschen flippiger. Ich hab es
versucht, aber es ist so anstrengend und langweilig. Wie weiß man,
ob man sich tatsächlich verliebt hat? Man fühlt es und weiß
sofort, das ist das Richtige. Ich habe sehr viel Glück gehabt. Ich
habe die wahre Liebe kennengelernt. Die große Liebe, zweimal.
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