
Heiner Meyer
Der
Bielefelder Maler im HIGH LIFE-Interview
Vor eineinhalb Jahren schaffte Heiner Meyer den Sprung über den
großen Teich. Zur Vernissage kam die Crème de la Crème der New
Yorker
Kunstszene, immer wieder hörte man begeisterte Stimmen: That’s a
new kind of
pop-art! Das ist eine neue Sichtweise der Pop-Art!
Kunstwissenschaftler wieder
fassen den Bielefelder Maler gern als Puppenspieler der
Postmoderne auf – sein
Werk ist vieldeutig, glamourös, artistisch, hintergründig. Mit
seinen Malereien
und Plastiken startete er in den 80er Jahren eine eigenwillige
Rezeption antiker
Skulpturen und Architektur, Überschreib-ungen und Übermalungen
wurden
dabei schnell zum signifikanten Stilmittel. Heute sind seine
Hauptmotive Leinwandgöttinnen
und Showstars, dazu die ganze Ikono-graphie der Pop-Art-Ära,
und immer wieder Kurzschlüsse mit aktuellen und antiken
Symbolwelten. Heiner
Meyer designte Hotelzimmer; in Gießen baut man eine neue
Kunsthalle,
sie wird mit seinen Werken eröffnet; er begleitet seine Malerei
ständig mit eindringlichen
plastischen Arbeiten. Der in Bielefeld geborene und aufgewachsene
Künstler hat sein Atelier am Siegfriedplatz im trendigen
Bielefelder Westen.
Seine Ausstellungen sind in der Regel ausverkauft, so zuletzt in
München und
Palm Beach. HIGH LIFE sprach mit Heiner Meyer über seine
Arbeitsmethode,
seine Inspirationen, über Salvador Dalí, Croupiers und doppelte
Böden.
TEXT UND INTERVIEW Günter Ned
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FOTOS Mathias Schrump
Bild oben: Polo 2006, Öl und
Schelllack auf Leinwand, 90 x 165 cm.
Herr Meyer, Sie haben in den siebziger Jahren
Salvador Dalí kennengelernt, haben in seinem Haus in Spanien
gewohnt, zusammen mit ihm in seinem Atelier gearbeitet. Was
konnten Sie vom großen Meister des Surrealismus lernen?
Dalí hat mir damals gesagt: Probier nicht, ein Jahrhundertbild zu
malen. Probier erst mal, richtig zeichnen zu lernen. Und er hat
mir dann so ein spanisches Weißbrot hingelegt, einfach
aufgebrochen, und hat gesagt: Das zeichnest du jetzt, und unter
zehn Stunden kann das gar nichts sein. Wenn du überhaupt
irgendwann mal was machen willst, dann beschäftige dich mit den
Grundlagen, das ist schwer genug.
Wenn ich hier auf die Staffelei schaue, das Bild, an dem Sie
offensichtlich gerade malen, versteh ich wohl, was Sie meinen. Ich
sehe da rechts eine leicht bekleidete, wunderschöne Frau, links
daneben eine 50er-Jahre-Kommode, beides völlig realistisch gemalt,
sonst nichts. Wenn man Ihre fertigen Bilder kennt, komplexe,
farbenfrohe, vielteilige Kompositionen aus Schriften und ganz
realistisch dargestellten Motiven, die aber selten ganz sind,
meistens Detail bleiben, oft überdeckt von anderen, dann dürfte
sich auf dieser Leinwand noch einiges ändern.
Die Bilder entwickeln sich. Es kann sein – na ja, die Christina
Aguilera wird schon stehen bleiben, aber so ein Bild kann
zwischendurch völlig anders aussehen, große Partien verschwinden
wieder, die aber komplett durchgemalt sind. Es kann sein, dass
eine Sache, die in einer Stunde entsteht, auch so im fertigen Bild
zu sehen ist. Es passiert aber auch, dass ich eine Stelle
übermale, an der ich zuvor eine Woche gearbeitet habe. Für mich
ist jedes Bild ein Abenteuer. Ich weiß anfangs überhaupt nicht,
worauf ich mich einlasse und was am Ende, nach einem Monat oder
anderthalb, dabei rauskommt.
... Casino Royal 2006: ein halber Bentley ist darauf zu sehen,
von einer Frau nur die bestrumpften Beine, mit den Pumps steht sie
auf dem Segment einer Rouletteschüssel, ein Jet hebt ab, man sieht
nur ein Triebwerk und eine Tragfläche, riesige Würfel tanzen drauf
...
... richtig, und daraufhin ruft mich ein Mann aus Hamburg an und
fragt mich: Wie können Sie dieses Bild malen? Sag ich: Wieso, wie
kann ich ... ? Sagt er: Sie haben mein Leben gemalt! Sag ich: Wie,
ich hab ihr Leben gemalt? Ja, sagt er, ich hatte einen
verschlungenen Lebensweg, hab früher mal mein Geld als Croupier
verdient, hab jetzt eine eigene gutgehende Firma, bin ständig im
Flieger, hab eine Frau, die genauso schöne Beine hat wie auf dem
Bild und fahr einen Bentley. Sag ich: Ja, herzlichen Glückwunsch!
– Das Bild war allerdings schon verkauft.
Das vollständige Interview mit Heiner Meyer lesen Sie in der HIGH LIFE
Ausgabe Heft 14, erhältlich in unserem
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