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HEFT 13 | FRÜHJAHR 2007  

 

 

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DER CHAMPION STEIGT AUS
 Hommage an den Besten Rennfahrer aller Zeiten

Nach sieben Weltmeisterschaftstiteln, 250 Grand-Prix-Starts, 68 Pole-Positions, 23219 Führungskilometern und weiteren unzähligen Rekorden beendete Michael Schumacher beim Großen Preis von Brasilien seine einzigartige Karriere. Der krönende Abschluss mit der achten Weltmeisterschaft blieb ihm letztlich doch versagt. Das Pech mit der Technik, das ihn jahrelang verschont hatte, dann aber mit dem Ausfall beim vorletzten Rennen bereits in Suzuka die Meisterschaftsträume platzen ließ, war auch beim Finale in São Paulo wieder gegenwärtig. Das verpatzte Qualifying und der Reifenschaden gaben ihm aber die Möglichkeit, mit seiner Aufholjagd vom letzten Platz bis auf Rang 4 vorzufahren und damit ein letztes Mal eindrucksvoll zu demonstrieren, dass er der beste Rennfahrer aller Zeiten ist. Wie wertvoll und wichtig dieses Jahrhunderttalent für den Formel-1-Rennsport allgemein und für das Ferrari-Team gewesen ist, wird wohl erst in der Zukunft deutlich werden.

TEXT: HEINZ HORRMANN FOTOS: xpb.cc

Nie wieder werden die Glocken der Pfarrkirche von Maranello drei Tage lang läuten, nie wieder gibt es besondere Beifallskundgebungen von Pfarrer Alberto Bernadoni bei einem Weltmeistertitel von Michael Schumacher. Nach den letzten 306 Kilometern, den 71 heißen Runden von São Paulo ist die Ära Michael Schumacher vorbei. Selbst der Glockenschlag klingt jetzt in Moll. Die Zeit des kollektiven Jubelns dauerte genau 13 Jahre und zwei Monate. Am Anfang dieser Zeitrechnung stand der erste Formel 1-Sieg des damals 23-jährigen Himmelstürmers Michael Schumacher aus dem rheinischen Kerpen. Im belgischen Spa Francorchamps, das seine Lieblingsstrecke werden sollte, sprangen wir zum ersten Mal bei der Siegerehrung mit ihm vor Freude in die Luft und zerdrückten, wie er, ein paar Tränchen: Endlich wieder ein Hero! Einer, mit dem man euphorisch sein konnte, zittern und leiden wollte, stolz sein durfte. Die Freude am Grand Prix verkümmerte am Tag, an dem nicht nur in Italien die Gondeln Trauer trugen, die Vögel über Maranello rückwärts flogen und die die Formel 1 vermarktenden TV-Sender zu zittern begannen: Es war eben dieser Tag, an dem Schumi Abschied nahm, seine Karriere beendete, konsequent, endgültig, ohne ein Hintertürchen für ein Comeback. Wirklich?

Millionen Fans, die so dachten und fühlten wie ich, gingen in die innere Immigration, nahmen ebenfalls Abschied vom Grand-Prix- Spektakel. Mit wem sollen wir denn auch in Zukunft die Luft anhalten, für wen die Daumen drücken, wer soll uns denn zur Nationalhymne mit aufs Podium nehmen? Die Lust verkümmert ähnlich, aber noch intensiver, als es beim Abschied von Boris Becker und dem Tennissport im Lande der Fall war. Erwarten Sie keine lupenreine Objektivität von mir, ich bin und bleibe ohne Wenn und Aber ein „Schumianer“, aber auch mit kühler Distanz sind zwei Erkenntnisse gesichert: Es gab weder in der Vergangenheit noch wird es in Zukunft einen größeren Rennfahrer als Michael Schumacher geben und zweitens ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass  Ferrari ohne ihn nie eine Folge derartiger Siege eingefahren hätte. Schumacher ist nämlich nicht nur der Weltmeister der Herzen, sondern der Mann, der aus dem liebenswerten, kreativen Hühnerhaufen aus Maranello ein geordnetes Team gezaubert hat. Natürlich mit der Härte und dem Biss eines Fighters, der von unten kommt, ohne Protektion, nur mit seinem Willen und Engagement. Gewiss, die Konkurrenten nannten und nennen ihn kompromisslos, besessen, perfektionistisch und egoistisch. Und wahrscheinlich haben sie Recht, aber das ändert überhaupt nichts am Gesamtbild des Sportlers mit unbändigem Siegeswillen, der jede Faser seines Körpers in den Rennsport gesteckt hat.

Der private Schumacher blieb uns weitgehend verborgen, von einigen Fußballspielen einmal abgesehen. Sabine Kehm, eine wunderbare Kollegin, die langjährige Medienberaterin von Schumacher war, hebt einen Spalt weit den Vorhang.
 

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Michael Schumacher


Trotz lausbubenhaftem Lachen war Michael Schumacher auf der Rennstrecke der härteste und kompromissloseste Fahrer.


Mit seinem unbändigen Willen und dem Streben nach Perfektion formte er seit  1996 die Ferrari-Crew zu dem besten Team der Formel 1. Sein Teamgeist ist einzigartig. Schumacher kennt jeden Mechaniker mit Namen, vergisst keinen Geburtstag und hat vielen oft geholfen. Um besser kommunizieren zu können, lernte er ganz passabel italienisch.

Keine
Tränen, aber körperliche Schmerzen
litt er jedes Mal, wenn ihn
seine „Rote Göttin“ im Stich ließ.

Seine insgesamt 91 Siegessprünge auf den obersten Podestplatz bleiben wohl unvergessen,
ebenso wie das Dirigieren der italienischen Nationalhymne bei der Siegerehrung.


Bei der Siegerehrung in Monza steht ganz Italien Kopf. Nach furioser Aufholjagd hat er den bisherigen Vorsprung von Alonso von 25 Punkten auf 2 Zähler reduziert. Wenige Minuten später trauert nicht nur Italien, als Schumacher in der Presse-konferenz seinen Rücktritt erklärt.



» Weder Alonso noch Räikkönen
kommen an ihn heran:
Michael ist der Größte.«

(Mika Häkkinen)

 

 

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