
Mallorcas schwarze Seele
An Negra,
der Kultwein der Baleareninsel
Die Römer brachten den Weinbau nach Mallorca, und schon damals war
er berühmt für seine Qualität. Durch das heiße Klima erreichte er
hohe Alkoholgrade, die ihn besonders haltbar machten. Ende des 19.
Jahrhunderts vernichtete Reblausbefall die Weinberge und der
mallorquinische Weinbau verlor international den Anschluss. Mit
dem Beginn des Mallorca-Booms der neunziger Jahre sind junge,
qualitätsorientierte Winzer wieder mit Leidenschaft dabei,
anspruchsvolle und außergewöhnliche Kreszenzen zu produzieren. Die
drei Freunde Francesc Grimalt, Pere Ignasi Obrador und Miquelàngel
Cerdà kreieren aus der autochthonen Rebsorte den Kultwein An Negra,
der mittlerweile auch in zahlreichen deutschen Spitzenrestaurants
einen Stammplatz auf der Weinkarte hat. Liebhaber der „Schwarzen
Seele“ Mallorcas genießen ihn bevorzugt aus Magnumflaschen.
TEXT: GÜNTER NED
FOTOS: YDO SOL, WOLF CLOSS
FRANCESC GRIMALT (33), PERE
IGNASI OBRADOR (37) UND MIQUELÀNGEL CERDÀ (41) sind die Männer
hinter Anima Negra oder, wie er heute aus rechtlichen Gründen
schlicht heißt: An. Mit dem Anima-Negra-Jahrgang 98, einem (fast)
reinsortigen Rotwein aus der autochthonen Rebsorte Callet,
katapultierten sich die drei Jungs aus Felanitx auf die Top-Ränge
der Inselweine. Seither gilt Anima Negra bzw. An als der Kultwein
Mallorcas. Welches Geheimnis steckt dahinter?
Schwer zu greifen. Soviel wurde bei unserem Besuch klar. Hier
arbeiten drei Männer mit Lust zum Ungewöhnlichen, mit Offenheit
für jede Inspiration, mit passionierter Kompromisslosigkeit ideal
zusammen, und der Humor scheint ihnen dabei nicht auszugehen.
Glaubt man ihrer Erzählung, wurde das Weingut An Negra aus einer
Schnapslaune heraus geboren, vor zehn Jahren um 4 Uhr morgens auf
dem Volksfest von Felanitx.
Vom ersten Wein haben sie gerade mal zwei Fässer gemacht. Das war
auf dem Bauernhof von Pere (heute ist dort das Weingut). Er
betrieb damals mit zweihundert Kühen Milchwirtschaft. Vergoren
wurde der Wein in Peres Milchtanks. Miquelàngel fuhr da noch mit
Touristen, die sein Boot chartern konnten, aufs Meer hinaus.
Francesc war der einzige Weinprofi, arbeitete als Önologe für
Santa Catarina (Andratx), hatte seinen Beruf in Madrid, im Penedes
und im Priorat gelernt.
Dann machten die drei Nägel mit Köpfen. Pere verkaufte seine Kühe,
Miquelàngel sein Boot, damit schafften sie sich Fässer an,
pachteten Weingärten. Heute versuchen sie, rund um Felanitx so
viele Callet-Lagen wie möglich zur Verfügung zu haben. Um sie zu
kriegen, nehmen sie auch jede andere Rebsorte mit in Kauf, genauso
jüngere Rebstöcke, obwohl sie An nur aus den ältesten machen,
deshalb reicht das Rebstockalter von 20 bis zu 80 Jahren. 70%
ihres Reblandes haben sie gepachtet, das bearbeiten sie selbst.
Die restlichen Trauben kaufen sie zu, kontrollieren aber überall
die Arbeit im Weinberg, den Schnitt, die Selektion der Trauben
etc.
Die vollständige Story über den Kultwein Mallorcas lesen Sie in der HIGH LIFE
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