
ÜBER LAGUNEN SCHWEBEN
Die ersten Overwater-Bungalows, die auf ihren hölzernen Pfählen
über türkisschimmernden Lagunen schwebten, entstanden auf Moorea
in Französisch-Polynesien, sie verkörperten einst die
Einzigartigkeit und den Inbegriff der Südsee. Mittlerweile gibt es
überall in den warmen Weltmeeren Überwasserdörfer, ganze
Labyrinthe aus Stelzen sind entstanden. Die schönsten Hotels, die
auf Bora Bora, auf den Malediven und den Seychellen zur kompletten
Glückseligkeit einladen, hat der renommierte Reiseautor Heinz
Horrmann für Sie zusammengestellt.
TEXT: HEINZ HORRMANN,
FOTOS: KLAUS LORKE, YDO SOL, HILTON RANGALI ISLAND
SO FRIEDVOLL UND JUNGFRÄULICH muss unsere Welt am ersten Tag der
Schöpfungsgeschichte gewesen sein, eine Ewigkeit bevor wir den
Planeten befingert und entstellt haben, lange noch vor dem ersten
Sündenfall. So und nicht anders muss unsere Welt ausgesehen haben:
unbeschreiblich majestätisch, von göttlicher Perfektion wie Bora
Bora, diese wohl proportionierte Inselschöne mit dem weißen Gürtel
aus Korallen und dem sanften Wimpernschlag des Ozeans. Wer auf der
Holzterrasse eines Overwater-Bungalows sitzt, in stiller Andacht
auf das spiegelglatte Wasser schaut und sich dem Gefühl hingibt,
über der Lagune zu schweben, erlebt die wohl schönste Seite des
Hotellebens.
Jahrzehntelang war dieses Erlebnis nur in Französisch-Polynesien,
kurz, Tahiti genannt, zu genießen,beispielsweise im Hotel Bora
Bora, heute auch im Bora Bora Lagoon oder Inter-Continental
Beachcomber Resort. Hier wird das Farbenspiel des Wassers direkt
im Himmel inszeniert. Die Töne wechseln von durchscheinendem Opal
und Perlmutt bis Silber mit einem winzigen Schuss Türkis. Mantas,
Meerestiere mit mächtigen Schwingen, ziehen vorbei. Ganz weit
draußen, wo der Horizont die
Lagune küsst, schwebt ein Dunstschleier über der Naturbühne.
Morgens in aller Frühe, wenn die Sonne noch ohne Kraft ist,
scheint die Lagune bleigrau, im Tagesverlauf wechselt der Ton zu
zartem Oliv und wird immer heller. Am Abend spiegelt sich der
Sonnenuntergang in der Lagune. Die dunklen Wedel einer schräg ins
Meer hinausragenden Palme wirken wie ein Scherenschnitt. Aus der
Distanz neigen wir dazu, das alles als Postkartenkitsch abzutun –
es ist die Wahrheit von Bora Bora.
Ich höre schon diejenigen „Einspruch“ nörgeln, die nicht das
Talent haben, ungetrübtes Glück für den Moment genießen zu können.
Glückskinder haben sich den Wahlspruch zu Eigen gemacht, wonach
harte Arbeit und totaler Genuss kein Widerspruch sein muss. Da das
Außergewöhnliche nie lange exklusiv bleibt, gibt es inzwischen
überall in den warmen Weltmeeren Überwasserdörfer, ganze
Labyrinthe aus Stelzen sind gewachsen, alle mit der gemeinsamen
Verheißung: Glückseligkeit. Im Indischen Ozean wurde die Auswahl
besonders vielschichtig, zum Glück nicht nur im absoluten
Hochpreisbereich.
Wie alles entstand? Eine der unglaublichen Geschichten, die das
Leben so schreibt. Drei verrückte Kalifornier hatten zu Beginn der
60er Jahre einen Ideen-Wettbewerb um eine Flasche Champagner
ausgetragen. Thema: Wie lässt sich polynesische Phantasie am
schönsten realisieren? Einer von ihnen zimmerte ein Gestell aus
Holzstelzen, verankerte es im Wasser der Lagune von Moorea und
montierte eine Hütte obenauf. Ein Haus mit einem verglasten Loch
im Fußboden, um die Unterwasserwelt von der Couch aus zu erleben.
Bingo, das war ein Griff ans Herz. Er gewann die Flasche perlender
Lebensfreude und die Romantiker dieser kalt gewordenen Welt die
zauberhafteste Form des Hotellebens. Daraus entstand damals das
Resort „Bali Hai“. Wir stellen also fest: Aus der Schnapsidee der
,crazy boys‘ von einst wurde der Inbegriff der Südsee.
Die aktuelle HIGH LIFE
Ausgabe Heft 12, erhältlich in unserem
Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH
LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen
Abonnement frei Haus.
|