
Understatement, Stil, Armani
Stella
McCartney interviewt den Modeschöpfer und Milliardär Giorgio
Armani
Er hat die Mode mit seinem puristischen, bequem zu tragenden,
eleganten, zeitlos klassischen Design revolutioniert. Ohne je eine
Modeschule besucht zu haben, prägt der Autodidakt Giorgio Armani
inzwischen das Stilgefühl zweier Jahrhunderte. Die ambitionierte
britische Fashion-Designerin Stella McCartney (sie lehnt als
aktive Tierschützerin Materialien wie Leder und Pelze ab) bat den
Mailänder Modezaren zum Interview.
FOTOS: CORBIS, PICTUREPRESS
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INTERVIEW: IFA AMSTERDAM
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TEXT: GÜNTER NED
Bild oben: Models und Meister in
China: Giorgio Armani präsentiert am 1. April 2006 in Shanghai
seine Fashion-Retrospektive.
SIE IST DER SCHILLERNDE JUNGE STAR, DER ALLE REGELN BRICHT. ER IST
DER GROSSMEISTER, DER DAS WELTWEITE MODEGEFÜHL MASSGEBLICH
BEEINFLUSST. IN DIESEM SELTENEN INTERVIEW BEFRAGT STELLA MCCARTNEY
GIORGIO ARMANI ZU PELZEN, MODE UND FILM – UND WARUM RED SEINE NEUE
LIEBLINGSFARBE IST. DIESER ARTIKEL DES GASTAUTORS BONO STAMMT AUS
DER (RED) AUSGABE DES „THE INDEPENDENT“ VOM 16. MAI 2006. DIE
HÄLFTE DER EINNAHMEN AUS DIESER AUSGABE WIRD DER WELTWEITEN
AIDS-STIFTUNG (GLOBAL FUND TO FIGHT AIDS) GESPENDET.
Welches ist Ihre erste Erinnerung an Mode?
Meine Mutter trug die besten Kleider, die immer schlicht, aber so
elegant und raffiniert waren.
Wie haben Ihre Mutter und Ihr Vater Ihren Stil beeinflusst?
Meine Mutter war der Hauptgrund dafür, dass ich ein Interesse für
Mode entwickelte. Obwohl wir im Italien der Nachkriegszeit
aufwuchsen und sehr arm waren, achtete sie immer darauf, dass mein
Bruder, meine Schwester und ich makellos gekleidet waren. Sie
selbst war von Haus aus eine elegante Frau. Ich habe meine Yacht
zur Erinnerung an meine Mutter „Mariu“ – was dem Namen „Maria“ im
süditalienischen Dialekt entspricht – getauft.
Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie erkannten, dass Sie
Designer werden wollten?
Es gab nicht wirklich einen bestimmten Moment. Es war vielmehr ein
schrittweiser
Prozess des Erkennens. Ich studierte Medizin, erkannte jedoch
schnell, dass ich dafür nicht geeignet war. Zu dieser Zeit begann
ich mich für Fotografie zu interessieren. Eines Tages ging ich mit
einigen Aufnahmen, die ich von meiner Schwester gemacht hatte, zu
einem Treffen mit einer Frau in Mailands feinstem Kaufhaus, dem
„La Rinascente“, um zu versuchen, diese Bilder zu verkaufen. Sie
kaufte einige der Bilder und bot mir eine Stelle als
Schaufenster-Dekorateur an. Ich brach mein Studium ab und nahm
diese Stelle an. Ich glaube, zu dieser Zeit begann ich zum ersten
Mal, mich mit Mode zu beschäftigen.
Die Modebranche ist ein Symbol des Kapitalismus. Kann Mode
politisch korrekt sein?
Die Tatsache, dass wir in der westlichen Welt in einer
kapitalistischen Gesellschaft leben, bedeutet nicht, dass wir uns
bei unserer Arbeit nicht von sozialem Bewusstsein leiten lassen
können. Natürlich braucht Mode-Design Konsumenten, die kaufen,
aber wir können unseren Beitrag zur Gesellschaft leisten, indem
wir unsere Unternehmen in sozial verantwortlicher Weise führen und
Produkte kreieren, die Respekt für soziale und Umweltaspekte
fördern. Außerdem können Macht und Einflussreichtum auch treibende
Kräfte für Veränderungen sein.
Warum engagieren Sie sich besonders für RED/The Global Fund?
Ich bewundere Bonos und Bobby Shrivers Leidenschaft und Energie im
Einsatz für soziale Themen schon seit langem. Als sie mir ihre
wirkungsvolle und doch so einfache Idee hinter RED beschrieben,
war ich sofort begeistert. Es ist ohne Frage eine Initiative, die
Neuland beschreitet. Die Vereinigung weltweit erfolgreicher und
bekannter Marken für einen guten Zweck ist ein ebenso mächtiges
wie ernüchterndes Konzept, das nur mit der Überzeugungskraft von
Personen wie Bono oder Bobby zum Erfolg geführt werden kann.
Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren. Wie haben sich Ihre
Inspirationen seit den Anfängen verändert?
Meine Inspirationsquellen sind dieselben geblieben – Reisen,
Filme, Bücher, Musik und Kunst – im Wesentlichen die Kultur, die
mich umgibt. Doch je älter ich wurde, desto mehr erkannte ich, wie
sehr mich Menschen faszinieren und inspirieren. Ich liebe es,
Menschen zu beobachten (Menschen, die ich kenne und Menschen, die
ich nicht kenne) und ihr Verhalten, ihre Ausdrucksweise, die Art
wie
sie gehen und ihre Körperhaltung zu studieren. Der Charakter der
Menschen ist das zentrale Thema, auf dem meine Kreationen
aufbauen. Ich bin der Ansicht, dass die Kleidung die
Persönlichkeit eines Menschen unterstreichen und nicht überdecken
sollte.
Hat es Sie begeistert, die englische Nationalmannschaft für die
WM einkleiden zu dürfen?
Ich genieße es bereits seit vielen Jahren, Fußball-Stars
einzukleiden. Sie sind in vieler Hinsicht die Gladiatoren unserer
Tage. Sie sind sowohl auf dem Spielfeld als auch außerhalb zu
Ikonen geworden. Für einen Designer ist es immer gut, etwas Neues
auszuprobieren, und ich habe es besonders genossen, diese hoch
entwickelten und gut ausgebildeten Körper einzukleiden.
»Meine Inspirationsquellen sind dieselben geblieben
– Reisen, Filme, Bücher, Musik und Kunst –
im Wesentlichen die Kultur,
die mich umgibt.«
Das vollständige Interview mit Giorgio Armani lesen Sie in der HIGH LIFE
Ausgabe Heft 12, erhältlich in unserem
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