
ICH BRAUCHE SPANNUNG, um in Bewegung zu bleiben
Ein Interview
mit dem Schauspieler Heino Ferch
Heino Ferch zählt zu den Großen des Deutschen Films. Seine
Vielseitigkeit, eine geradezu ungezügelte Neugier, die
ungebrochene Lust am Umgang mit Grenzsituationen und der Spaß an
der Kameraarbeit beschweren ihm immer wieder faszinierende,
herausragende Rollen.
INTERVIEW VON GUNDULA
LUIG-RUNGE
FOTOS: KLAUS LORKE
Bild oben: Von der Dachterrasse des
„Ewerk“, eine der bekanntesten und ambitioniertesten
Event-Locations von Berlin, hat man einen fantastischen
Rundumblick über die alten und neuen Wahrzeichen der Hauptstadt.
www.ewerk.net
SEIT FAST ZWANZIG JAHREN IST BERLIN DIE WAHLHEIMAT DES GEBÜRTIGEN
NORDLICHTS HEINO FERCH. DER KAPITÄNSSOHN AUS BREMERHAVEN HAT IN
DER SPREEMETROPOLE DEN GRUNDSTEIN FÜR SEINE STEILE THEATER- UND
SPÄTERE FILMKARRIERE GELEGT. KINOFILME WIE DER „WINTER-SCHLÄFER“,
„DER UNHOLD“, „MARLENE“ ODER „COMEDIAN HARMONISTS“ BEGLEITEN
SEINEN WEG AN DIE SPITZE DER DEUTSCHEN SCHAUSPIEL-ELITE EBENSO WIE
ZAHLREICHE FERNSEHPRODUKTIONEN, DARUNTER „DER TUNNEL“, „DAS WUNDER
VON LENGEDE“ UND „DIE LUFTBRÜCKE – NUR DER HIMMEL WAR FREI“.
FERCHS VIELSEITIGKEIT, SEIN SOUVERÄNES KÖNNEN UND DIE GABE, SICH
BERUFLICH NICHT IN EINE RICHTUNG DRÄNGEN ZU LASSEN, MACHEN IHN
DERZEIT ZU EINEM DER GEFRAGTESTEN AKTEURE FÜR FILM UND FERNSEHEN.
HIGH LIFE TRAF DEN SCHAUSPIELER IM EXKLUSIVEN CHINA CLUB BERLIN
ZUM INTERVIEW.
Herr Ferch, Sie haben sich in den letzten Jahren in die erste
Liga deutscher Charakterdarsteller gespielt. Was haben Sie, was
anderen fehlt?
Eigentlich müssen das andere sagen, es ist schwer, sich selber zu
charakterisieren. Ich denke, die Begeisterungsfähigkeit, die
dazugehört, die haben andere Kollegen auch. Die muss man einfach
haben. Bei mir kommen vielleicht noch eine besondere Ausdauer, ein
großer Glaube an mich selbst und viel Humor hinzu. Außerdem nehme
ich nicht alles bierernst, was über mich gesagt oder geschrieben
wird. Das schont die Nerven. Ich bin mir durchaus bewusst, dass
meine Präsenz in der einen oder anderen Form auch Spannungen nach
sich zieht. Damit muss man, so glaube ich zumindest, locker
umgehen. Ich nehme mich einfach nicht wichtiger als nötig und
bleibe ich selbst.
Was fasziniert Sie am Schauspieler-Beruf?
Dass er so abwechslungsreich ist. Dass er mir das große Glück
bietet, mich in jede gewünschte Richtung zu entfalten. Als
Schauspieler hab’ ich das Privileg, in jeden nur denkbaren Beruf
einzutauchen oder für eine Rolle zu recherchieren. Und mit jedem
neuen Stoff erweitere ich meinen eigenen Horizont. Das finde ich
genial.
Gibt es für Sie eine Lieblingsdisziplin in der Schauspielerei?
Nein, ich stehe erst mal allem offen. Jeder Schauspieler ist
ohnehin durch seinen Typ für bestimmte Rollen mehr, für andere
weniger prädestiniert. Auch für mich gibt es Grenzen, weil ich
einfach nicht alles spielen kann. Gäbe es eine Lieblingsdisziplin,
wäre sie wahrscheinlich, die Grenzen des Unspielbaren immer mehr
einzuschränken.
Wie muss ein Drehbuch aussehen, das Ihr Interesse weckt?
Ich muss beim ersten Lesen uneingeschränkt Ja sagen können. Es
gibt keinen Film, den ich gemacht habe, wo ich ein Drehbuch vorher
zwei-, dreimal lesen musste. Die Fantasie funktioniert sofort und
zieht mich rein. Das ist ein guter Indikator dafür, dass mich ein
Script anmacht.
Gibt es einen Charakter, den Sie unbedingt einmal spielen
möchten und warum?
Da gibt es einige. Nehmen wir doch gleich meine nächste
Produktion, deren Drehbeginn in wenigen Wochen sein wird, und wo
es um die Suche nach dem antiken Schatz von Troja geht. Ich spiele
darin den Archäologen Heinrich Schliemann. Ein wirklich spannender
Charakter, der so widersprüchlich wie besessen ist. Schon vor
Jahren habe ich damit begonnen, diese Figur zu studieren. Und
jetzt endlich können wir das Projekt starten.
Übernimmt man das Spielen nicht manchmal mit ins Privatleben?
Das Spielen nicht, aber die Stimmung. Wenn man über zweieinhalb
Monate mit einem Thema beschäftigt ist, eine Rolle spielt, die
sehr ernsthaft, sehr düster ist, dann kann ich persönlich nach
einem Drehtag nicht frohgelaunt oder flapsig drauf sein. Oder
umgekehrt habe ich es erlebt, als ich die zwei, drei Komödien
gemacht habe, dass ich dann eine locker flockige Zeit hatte. Je
nachdem, was man gerade
spielt, bleibt man in einem bestimmten Klima gefangen. Das ist
wichtig, es hilft mir, eine Grundstimmung beizubehalten, um
während der Dreharbeiten nicht aus der Kurve zu fliegen. Es hat
also schon Auswirkungen auf die Privatsphäre.
Was bedeuten Ihnen Statussymbole?
Wenn sie meinem ästhetischen Gusto und meiner Bequemlichkeit
dienen, sind sie wunderbar. Aber mal im Ernst. Ich habe keine
Statussymbole, ein Auto fährt, eine Uhr zeigt die Zeit an.
Statussymbol heißt ja, man präsentiert, man zeigt vor. Ich bin
eher jemand, der zurückgezogen lebt. Ich mag den lauten Auftritt
nicht.
Wie wichtig ist Ihnen ein gutes Outfit?
Es muss der Situation entsprechend sein. Wenn ich in Jeans und
Boots gut aufgehoben bin während einer Veranstaltung, dann ist das
für mich o. K. Genauso gerne genieße ich einen eleganten Abend.
Kleidung muss Spaß machen!
Im letzten Sommer haben Sie geheiratet. Was bedeutet für Sie
Glück?
Das ist Glück, aus vollem Herzen Ja gesagt zu haben. Jemanden
getroffen zu haben, wo kein Misstrauen besteht, wo jederzeit das
Gefühl da ist, richtig zu sein.
Das vollständige
Interview mit Heino Ferch lesen Sie in der HIGH LIFE
Ausgabe Heft 11, erhältlich in unserem
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