
Mann von 8000 Touren
Maserati-Chef Karl-Heinz Kalbfell im
Interview
Maserati hat eine rasante Geschichte. 1914 gegründet, schickte das
Werk 1926 mit dem Tipo 26 seinen ersten reinrassigen Rennwagen auf
die Piste. Maseratis Rennerfolge sind legendär. Ab 1957 baute man
Straßenversionen in größerer Stückzahl. Maseratis Relaunch läuft
seit 1997, da beteiligt sich Ferrari mit 50%. Das Werk in Modena
wird umstrukturiert, man montiert neue Produktionsanlagen, 1999
übernimmt Ferrari die restlichen 50% der Anteile. Schlag auf
Schlag stellt Maserati jetzt den neuen Spyder, das Coupé, den
GranSport und den neuen Quattroporte vor. Seit 2005 startet
Maserati als eigenständiges Unternehmen innerhalb der Fiat Holding
durch. Maseratis Motoren werden nach wie vor von Ferrari gebaut.
Maseratis neuer Aufbruch hat einen deutschen Antrieb: Karl-Heinz
Kalbfell.
INTERVIEW VON: GÜNTER NED
FOTOS: YDO SOL UND MASERATI
Hatten Sie zu Maserati schon vorher eine Beziehung?
Wer kennt nicht Maserati? Und mein erster Eindruck von
italienischen Sportwagen, das waren diese schönen Comics aus den
30er Jahren mit diesen schönen roten Grand-Prix-Wagen von Alfa
Romeo. Maserati und Alfa Romeo, das ist einfach die Ursubstanz
sportlicher Autos. ...
Was hat Sie am neuen Job ganz besonders gelockt?
Man muss ja immer noch den Spaß an der Arbeit behalten. Klar, wenn
es mir darum ginge, einen gesicherten Posten zu haben, dann hätte
ich es sicher in der vorherigen Firma leichter gehabt. ...
Worin lag diese spezielle Herausforderung?
Ich habe mich mein Leben lang mit edlen Marken beschäftigt, mit
BMW, mit Rolls Royce, mit all den englischen Marken, die man da
eine Zeitlang im Portfolio hatte, und da war halt immer auch der
Gedanke: Mensch, Ferrari zu machen oder sowas, das wär’s nochmal -
obwohl [schmunzelt], Ferrari kann nur ein Italiener machen, oder
ein italienischer Franzose - also etwas, wo man einfach sagt,
Mensch, da kannst nochmal anpacken. ...
Wenn man sich hier im Werk bewegt und mit den Menschen spricht,
spürt man: Für Maserati ist eine Zeit der großen Veränderungen
angebrochen. Was steht da an?
Ach, das ist ganz positiv, denn Maserati hat unter den
Fittichen von Ferrari ja sehr großen Erfolg, man denke nur an den
Quattroporte. Das ist für mich das sensationellste Auto der
Gegenwart. Aber wir sehen bei Maserati eben noch erhebliche
Wachstumschancen, weltweit, während Ferrari in einer Größenordnung
etabliert ist, die zum ganzen Geschäft passt. Und wenn Sie nach
Veränderungen fragen, es geht um Wachstumsveränderungen. ...
Was bedeutet es für Sie persönlich, in Italien zu arbeiten?
Sind Sie zum ersten Mal für längere Zeit hier?
Ich hatte auch zu meiner Rennsportzeit italienische Teams, das
ist also für mich nichts neues, aber es ist schon noch etwas
anderes, selbst im Land zu leben. Man kriegt Variationen von
Feinheiten mit, die einem sonst verborgen bleiben, diese
unheimlich elegante, lockere Lebensart zum Beispiel. Hier ist man
[schnipst mit dem Finger] auf 180 und genauso schnell auch wieder
runter auf 60. Man kennt hier nicht dieses tiefe Beleidigtsein. Da
gibt’s mal einen ordentlichen Wirbelsturm und fünf Minuten später
ist alles so, als wär’ nichts gewesen. Ich habe hier einfach mit
tollen Leuten zu tun. Und dann dieses wunderbare Essen, und, nicht
zu vergessen, die Weine - es ist schon so was wie ein vorgezogenes
Paradies. Das möchte ich allerdings nicht so ohne weiteres aufs
Arbeiten beziehen. Mein Arbeitstag hier zum Beispiel wird im
Vergleich zu meinen früheren Tätigkeiten um ein Vielfaches
überschritten. ...
» Meine ursprüngliche Wesensart
liegt bei mindestens
8000 Touren. «

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