
Demut und Anmut
Prinz Asfa-Wossen und die „Manieren“
Was trägt der Herr? „Ein Herr darf einen Ast, eine Aktentasche,
ein halbes Schaf oder einen Bilderrahmen tragen, aber keine Tüte.“
Warum besitzt Prinz Asfa-Wossen keinen Louis-Vuitton-Koffer? „Ich
finde diese Koffer so schön, aber ich habe unter meinen
persönlichen Sachen ungern solche mit dem Monogramm von anderen
Leuten.“ Über den Dress-Code der Ehre: „Die Manieren sind das
Gewand, in das die Ehre sich auf dem Weg durch die Welt kleidet.“
Man könnte seitenlang weiterzitieren - aus einem Buch, das längst
zum Renner wurde: „Manieren“ von Asfa-Wossen Asserate erlebt im
dritten Jahr bereits die 13. Auflage. Werden Manieren Mode?
EIN INTERVIEW VON GÜNTER NED | FOTOS: YDO SOL
Der Autor ist ein Meister des Bonmots. Originaltöne wie oben
blitzen durch das Buch „Manieren“ vom ersten bis zum letzten
Umblättern, und trotzdem ist es kein Buch der Sprüche. Prinz
Asfa-Wossen Asserate gibt mit seinen „Manieren“ die Bühne frei für
den Traum vom schönen Umgang des Menschen mit dem Menschen. Dafür
nimmt er Fäden auf, die er in der europäischen Kulturgeschichte
fasst, aber auch in seiner Jugend im äthiopischen Kaiserhaus. Wie
zielsicher dieser Traum vom edlen Stil in unsere Wunschwelt
greift, zeigt der Erfolg. „Manieren“ erschien 2003, derzeit ist
die 13. Auflage im Verkauf. Der Eichborn-Verlag bezeichnet das
Buch schlicht als Renner. Wir haben mit Dr. Asfa-Wossen Asserate
in der Frankfurter Havanna Lounge über „Manieren“ geplaudert.
Schon ein paar Splitter zeigen, wie perfekt der äthiopische Prinz
mit dem deutschen Pass
den guten Ton trifft.
Prinz Asfa-Wossen, haben Sie ein Benimmbuch für die Deutschen
geschrieben?
Um Gottes Willen, nein. Wer auf der Welt hätte das Recht, den
Deut-schen Manieren beizubringen. Außerdem: Das Benehmen ist nur
ein Teil der Manieren, und nicht der wichtigste. Dieser heißt:
innere Haltung und Herzensbildung.
Mit Luxusmarken scheinen Sie nicht viel am Hut zu haben.
Interessiert Sie Luxus überhaupt nicht?
Aber im Gegenteil, ich liebe schöne luxuriöse Dinge, aber
Massenprodukte sind für mich kein Luxus. Luxus ist der kleine
Schneider in London, kein großer Name, aber er macht Ihnen einen
anständigen Anzug, ganz speziell für Sie; das versteckte
Restaurant, wo die Mama kocht, keine drei Sterne, aber sie bringt
phantastische Gerichte auf den Tisch; der Maßschuhmacher, der in
irgendeiner ungarischen Kleinstadt sitzt und kein Vermögen kostet.
 Das vollständige
Interview mit Dr. Prinz Asfa-Wossen lesen Sie in der HIGH LIFE
Ausgabe Heft 8, erhältlich in unserem
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