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Heft 8 | Frühling 2005

 

 

Prinz Asfa-Wossen vor toskanischer Landschaft im Churchill Room der Frankfurter Havanna Lounge.
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Demut und Anmut
Prinz Asfa-Wossen und die „Manieren“

Was trägt der Herr? „Ein Herr darf einen Ast, eine Aktentasche, ein halbes Schaf oder einen Bilderrahmen tragen, aber keine Tüte.“ Warum besitzt Prinz Asfa-Wossen keinen Louis-Vuitton-Koffer? „Ich finde diese Koffer so schön, aber ich habe unter meinen persönlichen Sachen ungern solche mit dem Monogramm von anderen Leuten.“ Über den Dress-Code der Ehre: „Die Manieren sind das Gewand, in das die Ehre sich auf dem Weg durch die Welt kleidet.“ Man könnte seitenlang weiterzitieren - aus einem Buch, das längst zum Renner wurde: „Manieren“ von Asfa-Wossen Asserate erlebt im dritten Jahr bereits die 13. Auflage. Werden Manieren Mode?

EIN INTERVIEW VON GÜNTER NED | FOTOS: YDO SOL
 

Der Autor ist ein Meister des Bonmots. Originaltöne wie oben blitzen durch das Buch „Manieren“ vom ersten bis zum letzten Umblättern, und trotzdem ist es kein Buch der Sprüche. Prinz Asfa-Wossen Asserate gibt mit seinen „Manieren“ die Bühne frei für den Traum vom schönen Umgang des Menschen mit dem Menschen. Dafür nimmt er Fäden auf, die er in der europäischen Kulturgeschichte fasst, aber auch in seiner Jugend im äthiopischen Kaiserhaus. Wie zielsicher dieser Traum vom edlen Stil in unsere Wunschwelt greift, zeigt der Erfolg. „Manieren“ erschien 2003, derzeit ist die 13. Auflage im Verkauf. Der Eichborn-Verlag bezeichnet das Buch schlicht als Renner. Wir haben mit Dr. Asfa-Wossen Asserate in der Frankfurter Havanna Lounge über „Manieren“ geplaudert. Schon ein paar Splitter zeigen, wie perfekt der äthiopische Prinz mit dem deutschen Pass
den guten Ton trifft.


Prinz Asfa-Wossen, haben Sie ein Benimmbuch für die Deutschen geschrieben?

Um Gottes Willen, nein. Wer auf der Welt hätte das Recht, den Deut-schen Manieren beizubringen. Außerdem: Das Benehmen ist nur ein Teil der Manieren, und nicht der wichtigste. Dieser heißt: innere Haltung und Herzensbildung.

Mit Luxusmarken scheinen Sie nicht viel am Hut zu haben. Interessiert Sie Luxus überhaupt nicht?

Aber im Gegenteil, ich liebe schöne luxuriöse Dinge, aber Massenprodukte sind für mich kein Luxus. Luxus ist der kleine Schneider in London, kein großer Name, aber er macht Ihnen einen anständigen Anzug, ganz speziell für Sie; das versteckte Restaurant, wo die Mama kocht, keine drei Sterne, aber sie bringt phantastische Gerichte auf den Tisch; der Maßschuhmacher, der in irgendeiner ungarischen Kleinstadt sitzt und kein Vermögen kostet.

 

Das vollständige Interview mit Dr. Prinz Asfa-Wossen lesen Sie in der HIGH LIFE Ausgabe Heft 8, erhältlich in unserem Online-Shop, einfach auswählen und bestellen, oder genießen Sie HIGH LIFE dreimal im Jahr im kostengünstigen Abonnement frei Haus.

 

Prinz Asfa-Wossen Asserate

Prinz Asfa-Wossen Asserate

Frankfurt/Addis Abeba, 1974: Der Groß-neffe des äthiopischen Kaisers Haile Selassi I. studiert in Frankfurt Jura, Volkswirtschaft und Geschichte. Das rettet ihm das Leben, denn in Addis Abeba bricht die Revolution aus. Sein Vater wird erschossen, seine Familie kommt für 15 Jahre in Sippenhaft, den Kaiser erstickt man mit einem Kissen. Prinz Asfa-Wossen erhält in Frankfurt Asyl, sieben Jahre später die deutsche Staatsbürgerschaft, das Gastland wird ihm zur neuen Heimat. Als Dr. Asfa-Wossen Asserate wird er unter anderem zum Pressechef der Düsseldorfer Messe berufen, er gründet die erste äthiopische Menschenrechts-kommission „Council for Civil Liberties in Ethopia“, ist heute als Unternehmens-berater für Afrika und den Mittleren Osten tätig, ein Reisender zwischen zwei Welten. Frankfurt, 2003: Asfa-Wossen Asserate veröffentlicht im Eichborn-Verlag „Manieren“, ein Buch mit stark autobio-graphischen Zügen.


Haben Sie für Manieren eine Kurzformel?


Demut und Anmut. Wer weiß, was diese beiden deutschen Begriffe beinhalten, der braucht kein Buch über Manieren zu lesen.
 


Asfa-Wossen Asserate, Manieren

Asfa-Wossen Asserate, Manieren
Eichborn, Frankfurt am Main 2003
ISBN 3-8218-4739-5 388 S., € 22,90
Umschlagmotiv:
Peter Schermuly,
Stillleben mit Brot, 1985 (Ausschnitt)
 

Das Umschlagbild ist die Wahl des Autors: „Ich halte Peter Schermuly für einen der besten deutschen Gegenwartsmaler. Um ein Wort wie Manieren bildlich darzu-stellen, was gibt es Schöneres als Brot und Wein?“
 

 

 

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