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Formel 1 - Grand Prix Monaco
Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer
Im Durchschnitt verfolgen in
Deutschland mehr als zehn Millionen Menschen die Formel-1-Rennen
im Fernsehen, weltweit dürften es mehr als zehnmal soviel sein.
Viele Rennstrecken ähneln sich, doch nirgends präsentiert sich der
Formel-1-Zirkus so spektakulär, glamourös und prominent wie im
Stadtkurs des Fürstentums von Monaco. Weltmeister Niki Lauda
beschrieb es am prägnantesten: "Rennfahren in Monte Carlo ist wie
Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer."
Text: Thomas Klocke
| Fotos: Boris Schlegelmilch, Cajus Steinhauer
Um den internationalen Motorsport nach
Monaco zu holen, erfand 1929 Anthony Noghes, der Präsident und
Gründer des Club Automobile de Monaco, die halsbrecherische
Rennstrecke. Bereits im Gründungsjahr fand hier der erste Grand
Prix statt und seit 1950, dem ersten Jahr der
Formel-1-Weltmeisterschaft, steht Monaco im Rennkalender.
Seit 1955 wurde das abenteuerliche Rennen ununterbrochen
ausgetragen, dabei hat sich die Strecke, die sich durch die engen
Gassen des nur zwei Quadratkilometer großen Städtchens schlängelt
und am Yachthafen vorbei führt, bis heute kaum verändert: 1973
wurde der neue Abschnitt um das Schwimmbad am Meeresufer ergänzt
und drei Schikanen wurden neu errichtet.
Die Entwicklung der
Rennwagen in der gleichen Zeit sieht da schon etwas anders aus:
der "Bolide" des ersten Siegers 1929, Charles William Grover,
immerhin ein formidabler Bugatti, ist heute vergleichbar mit einer
zusammengeschweißten Stahlbüchse, die seinerzeit 130 PS leistete
und wohl gerade etwas flotter als ein Golf GTI unterwegs war.
Schumi & Co müssen heute über den gleichen Parcours raketengleiche
Geschosse chauffieren, die bei mehr als 18000 Umdrehungen pro
Minute fast 900 PS leisten und von 0 - 100 km/h in gut zwei
Sekunden beschleunigen.
Bei der Ausfahrt aus dem Tunnel, wo im Wesentlichen der Mut des
Fahrers geprüft wird, werden Spitzengeschwindigkeiten von ca. 280
Stundenkilometer erreicht, wenn die Gladiatoren des modernen
Rennzirkus aus der Dunkelheit in das grelle Sonnenlicht schießen.
Der Parcours von Monte Carlo fordert sowohl dem Fahrer als auch
dem Auto größtmögliche Leistungen ab, jeder kleinste Fahrfehler
wird sofort bestraft, zu schnell touchieren die Fahrzeuge die
Leitplanken, an denen sie mit einem Abstand von nur wenigen
Zentimetern vorbeijagen. Oftmals erreicht nur ein Bruchteil der
gestarteten Fahrzeuge nach achtundsiebzig Runden Adrenalin pur das
Ziel. Beim legendären Regenrennen im Jahre 1996 sahen nur drei
Fahrer die schwarz-weiße Zielflagge.
Übrigens wurde in Monaco 1934 auch erstmals das Qualifying ins
Leben gerufen: die Startaufstellung nach Trainingszeiten löste die
bis dahin gültige Startreihenfolge per Losentscheid ab. Dabei hat
gerade die Startaufstellung in Monaco die größte Bedeutung der
gesamten Rennserie, da es in Monaco fast unmöglich ist, zu
überholen. Dieses Rennen live zu verfolgen, ist ein einzigartiges
Erlebnis.
Unabhängig davon, welchen Platz man wählt, ob auf einer exklusiven
Yacht direkt am Circuit in der ersten Reihe am Quai des Etats
Unis, auf der Terrasse des Hotels de Paris, in einem der kleinen
Restaurants wie dem Café de Paris oder bei dem Nobelitaliener
Rampoldi oder auf einem privaten Balkon, die während des Rennens
zu Höchstpreisen vermietet werden, man hat meistens nur einen
Blick auf einen ganz geringen Streckenabschnitt. Ganz wichtig: Zur
Zeit des Grand Prix ist Monaco total überfüllt, die dreißig
Kilometer eigens für den Grand Prix errichteten Leitplanken und
Sicherheitszäune und die sechshundert Streckenposten lassen nur
eine sehr eingeschränkte Mobilität zu, eine reibungslose An- und
Abreise zum Rennen hat also oberste Priorität.
Unter den
vielfältigen Möglichkeiten, die prickelnde Atmosphäre des mondänen
Ortes mit dem höchsten Jetset-Flair, mit dem Heulen der Motoren,
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