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Quo vadis Formel Eins
Ein Interview mit dem Rennsportexperten Christian
Danner
Als die Formel Eins zum diesjährigen Saisonende in den Spiegel der
Kritik blickte, sah sie nicht gut aus. Die Wogen der Erregung
schlugen hoch. Wir sprachen mit einem Experten, der nah genug an
den Dingen dran ist, um sie ins rechte Licht zu rücken:
RTL-Co-Kommentator Christian Danner.
Fotos: Rainer
Schlegelmilch
Günter Ned: Herr Danner, die
Formel-Eins-Kommission der FIA, des Internationalen
Automobilsportverbandes, hat in London die Regeln für den
Grand-Prix-Circus geändert. Anlass war der denkwürdige Verlauf der
Saison 2002: Der Ferrari-Rennstall, sein Star Michael Schumacher
und Rubens Barrichello als Nummer zwei waren derart überlegen,
dass die Königsklasse des Rennsports gähnende Langeweile auslöste.
Was war geschehen?
Christian Danner: Etwas, das gar nicht so unüblich ist in
der Formel Eins. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor,
dass ein Team eine ganze Saison dominierte. Es gab Jahre, da hat
McLaren 15 von 16 Rennen gewonnen, andere, in denen Williams
Renault alles abgeräumt hat oder Benetton das Auto war, das man
schlagen musste. Das gab es immer wieder.
Günter Ned: Was war also in der letzten Saison anders?
Christian Danner: „Ganz einfach: die Art und Weise, wie
Ferrari mit seiner Überlegenheit umgegangen ist. Daher kam der
Aufschrei. Denken Sie doch an die Duelle von Nigel Mansell und
Nelson Piquet, seinerzeit im Williams Honda. Die haben sich Saures
gegeben vom ersten bis zum letzten Rennen, und die WM war
unglaublich spannend. Oder denken Sie an die Herren Senna und
Prost. Als die beiden für McLaren Honda fuhren, ist die
Weltmeisterschaft
durch eine Kollision entschieden worden. Der eine hat den anderen
einfach von der Strecke gefahren und das im letzten Rennen. Also:
McLaren hatte damals ein genauso überlegenes Fahrzeug wie Ferrari
heute, aber die Teamführung hat in den Kampf der Giganten Senna
und Prost nicht eingegriffen. Das war bei Ferrari im vergangenen
Jahr komplett anders.”
Günter Ned: Aus welchem Grund?
Christian Danner: Erstens: Schumacher ist zwar ein Gigant,
Barrichello aber nicht. Damit hat man natürlich zwei ungleiche
Fahrer. Zweitens: Ferrari hat quasi ein System Schumacher
etabliert und den Nummer-1-Status von Michael derart gnadenlos,
according to the rule-book sozusagen, durchgepowert, dass
Situationen entstanden, die jenseits der Grenze zur Lächerlichkeit
lagen. Drittens: Selbst dann, als die WM längst entschieden war,
hat die Teamleitung nicht aufgehört, einzugreifen und zu steuern.
Da hat man mal andersrum gewinnen lassen, da wurde mal in der
Rennmitte gesagt: „hold position“ usw. Kurz: Ein Racing, das in
den vergangenen Jahrzehnten bei überlegenen Teams zwischen den
Teamkollegen immer stattgefunden hat, wurde durch die
Ferrarripolitik, d. h. in erster Linie durch Jean Todt,
ausgeschlossen, und zwar bis zum allerletzten Rennen, und das ist
der Grund, warum die Saison so langweilig war. [...]
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