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Heft 1 | Dezember 2002

 

 

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Quo vadis Formel Eins
Ein Interview mit dem Rennsportexperten Christian Danner


Als die Formel Eins zum diesjährigen Saisonende in den Spiegel der Kritik blickte, sah sie nicht gut aus. Die Wogen der Erregung schlugen hoch. Wir sprachen mit einem Experten, der nah genug an den Dingen dran ist, um sie ins rechte Licht zu rücken: RTL-Co-Kommentator Christian Danner.
Fotos: Rainer Schlegelmilch

Günter Ned: Herr Danner, die Formel-Eins-Kommission der FIA, des Internationalen Automobilsportverbandes, hat in London die Regeln für den Grand-Prix-Circus geändert. Anlass war der denkwürdige Verlauf der Saison 2002: Der Ferrari-Rennstall, sein Star Michael Schumacher und Rubens Barrichello als Nummer zwei waren derart überlegen, dass die Königsklasse des Rennsports gähnende Langeweile auslöste. Was war geschehen?

Christian Danner: Etwas, das gar nicht so unüblich ist in der Formel Eins. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass ein Team eine ganze Saison dominierte. Es gab Jahre, da hat McLaren 15 von 16 Rennen gewonnen, andere, in denen Williams Renault alles abgeräumt hat oder Benetton das Auto war, das man schlagen musste. Das gab es immer wieder.

Günter Ned: Was war also in der letzten Saison anders?

Christian Danner: „Ganz einfach: die Art und Weise, wie Ferrari mit seiner Überlegenheit umgegangen ist. Daher kam der Aufschrei. Denken Sie doch an die Duelle von Nigel Mansell und Nelson Piquet, seinerzeit im Williams Honda. Die haben sich Saures gegeben vom ersten bis zum letzten Rennen, und die WM war unglaublich spannend. Oder denken Sie an die Herren Senna und Prost. Als die beiden für McLaren Honda fuhren, ist die Weltmeisterschaft
durch eine Kollision entschieden worden. Der eine hat den anderen einfach von der Strecke gefahren und das im letzten Rennen. Also: McLaren hatte damals ein genauso überlegenes Fahrzeug wie Ferrari heute, aber die Teamführung hat in den Kampf der Giganten Senna und Prost nicht eingegriffen. Das war bei Ferrari im vergangenen Jahr komplett anders.”

Günter Ned: Aus welchem Grund?

Christian Danner: Erstens: Schumacher ist zwar ein Gigant, Barrichello aber nicht. Damit hat man natürlich zwei ungleiche Fahrer. Zweitens: Ferrari hat quasi ein System Schumacher etabliert und den Nummer-1-Status von Michael derart gnadenlos, according to the rule-book sozusagen, durchgepowert, dass Situationen entstanden, die jenseits der Grenze zur Lächerlichkeit lagen. Drittens: Selbst dann, als die WM längst entschieden war, hat die Teamleitung nicht aufgehört, einzugreifen und zu steuern. Da hat man mal andersrum gewinnen lassen, da wurde mal in der Rennmitte gesagt: „hold position“ usw. Kurz: Ein Racing, das in den vergangenen Jahrzehnten bei überlegenen Teams zwischen den Teamkollegen immer stattgefunden hat, wurde durch die Ferrarripolitik, d. h. in erster Linie durch Jean Todt, ausgeschlossen, und zwar bis zum allerletzten Rennen, und das ist der Grund, warum die Saison so langweilig war. [...]

 
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Christian Danner


Beruf:
Rennfahrer
Experte für Fahrsicherheit und Testfahrer bei Mercedes

Geboren am 4. April 1958
Beruf: Rennfahrer
1977: Erstes Rennen (Renault R5)

Ab 1981: BMW-Werksfahrer

1984: 4. Platz in der Formel-2-Europameisterschaft
(Team Bob Sparshott).

1985: Formel-1-Debut mit Zakspeed
beim GP von Belgien.

1988: Zwei Siege bei den Touring Cars
im Team Alpina.

1992: 1. Platz im 24-Stunden-Rennen am
Nürburgring, 1. Platz im 24-Stunden-Rennen
in Spa, erster deutscher Fahrer, der in die Punkteränge bei der Indy-Car-Weltmeisterschaft kam.

1995: 2 Siege bei der deutschen und der
internationalen Touring-Car-Meisterschaft
als Werksfahrer von Alfa.

Seit 1997: TV-Präsenz als Experte für
Fahrsicherheit, Testfahrer bei Mercedes

Seit 1998: Formel-1-Experte bei RTL, Live-Co-
Kommentator bei den Formel-1-Grand-Prix.
Fährt nach wie vor Rennen, wenn es die
anderen Verpflichtungen zulassen.

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