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Prestige-Cuvées
Die Créme de la Créme der Jahrgangschampagner
Jede namhafte Kellerei in der Champagne hat als ihr Spitzenprodukt
eine Prestige-Cuvée, worunter ein Auslese-Champagner zu verstehen
ist, der aus den besten Grundweinen eines bestimmten, qualitativ
hochwertigen Jahrgangs gemacht wird. Diese Supermarken sind in
Duft und Geschmack konzentrierter, reicher, zugleich auch
eleganter und finessiger sowie intensiver im Nachklang als ein
normaler Jahrgangschampagner.
Von August F.
Winkler
Prosit Neujahr! Das ist der
Schlachtruf für Optimismus. Millionenfach wird er an Silvester
hoffnungsvoll aus genüsslich geöffnetem Mund erklingen, während im
Glas die Perlen nach oben tänzeln. An keinem anderen Tag wird mehr
Champagner getrunken. Zwar hat diese Diva des Weins das Getto des
Elitären längst verlassen; Schampus fließt heute an den Theken der
Kaufhäuser, in Bistros, Büros und beim Camping. Dabei handelt es
sich vor allem um jahrgangslose Marken. Über diese Standard-Bruts
muss man nicht mehr langmächtig parlieren. Sie haben mit einem
Anteil von deutlich über 90 Prozent an der gesamten Produktion
wesentlich zur Demokratisierung des Champagners beigetragen, auch
wenn die rund 20 Millionen Bouteillen, die der Deutsche pro Jahr
entkorkt, nur eine Trinkpfütze gegenüber den gut 500 Millionen
Flaschen Sekt sind, die im gleichen Zeitraum konsumiert werden.
Bis zur Vermarktung reift eine
Prestige-Cuvée mindestens sieben Jahre und somit mehr als
doppelt so lang wie ein Standard-Brut aus gutem Haus. Allerdings
sind sie auch mehr als doppelt so teuer, unter 60 Euro ist kaum
was Elegantes zu haben. Besonders ausgeprägt ist die Haltbarkeit.
Prestige-Cuvées können problemlos zehn Jahre und länger liegen,
ohne dass sie an Kraft und Anmut einbüßen. Im Gegenteil, es lohnt
sich, beispielsweise einen 1990er Salon, 1995er Cristal oder sogar
einen 1988er Comtes de Champagne bei sich etwas nachreifen zu
lassen. Jeder große Champagner gewinnt dadurch an Finesse: die
anfänglich recht temperamentvolle Säure wird zarter, die schiere
Kraft verfeinert sich auf geradezu geheimnisvolle Weise ins
Grazile, die Aromatik wird vielschichtiger und all dies vollzieht
sich, ohne dass der Champagner an fruchtiger Dichte, an Rasse, an
Charakter verliert. Wie lange diese quasi private Nachreife dauern
soll, hängt zum einen vom Anspruch des Betrachters ab. Wer
notorisch auf jugendliche, ungestüme Frische abonniert ist, wird
den Champagner trinken, sobald er im Handel ist. Zum Zweiten
spielen der Stil des jeweiligen Champagners sowie die
Beschaffenheit des Jahrgangs eine Rolle.
Der von Haus aus reiche 1990er
entwickelt sich selbstverständlich anders als der eher finessige
1993er oder der durchaus gute, doch strukturell schmale 1992er.
Und in einem kleinen Jahr wie 1991 wird kein auf Klasse achtendes
Haus eine Prestige-Cuvée auflegen. Nun wird es dienlich sein, ein
paar Worte zur unterschiedlichen Stilistik zu sagen. So wie
Champagner nicht gleich Champagner ist, so gibt es logischerweise
auch bei den Prestige-Cuvées große Unterschiede weniger
qualitativ, sondern eben stilistisch. Krug ist berühmt für seine
markante, ja herrische Art. Das liegt an der Auswahl der
Grundweine, des Weiteren am Ausbau im Keller. [...]
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